Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Hochfest des Leibes und Blutes Christi Fronleichnam Lesejahr: A

Als lebendige Monstranz sind wir mit Jesus Christus unterwegs

Nach der Reformation im 16. Jahrhundert war den Katholiken in Amsterdam verboten, an einem Eucharistischen Fest mit der Monstranz durch die Straßen der Stadt zu ziehen. Bei diesem Fest ging es um ein eucharistisches Wunder. Ein Sterbender hatte sich übergeben müssen, als er das Heilige Sakrament und die letzten Riten erhielt. Die Heilige Hostie wurde dann aufgrund liturgischer Vorschriften ins Feuer gelegt, blieb aber auf wundersame Weise intakt und konnte am nächsten Tag aus der Asche geholt werden. Dieses Wunder hatte den Glauben der Katholiken in Amsterdam so sehr geprägt, dass sie jedes Jahr dessen Gedenktag feierten. Am Festtag zogen sie normalerweise mit der Monstranz, also mit dem Herrn, in einer feierlichen Prozession durch die Straßen der Stadt. Dann kam das Verbot, nicht mehr mit der Monstranz durch die Straßen zu ziehen.

Und was haben die Katholiken in Amsterdam getan? Sie gaben nicht auf, den Sinn dieses Hochfestes ihres Glaubens auszudrücken. Sie kauften einen neuen Anzug, ein neues Kostüm; sie gingen an Fronleichnam morgens ganz früh zur Heiligen Messe, empfingen die Heilige Kommunion und gingen direkt nach der Kommunion auf die Straßen in ihrem neuen Anzug und ihrem besten Kleid als eine lebendige Monstranz. Diese Tradition gibt es bis heute. Sie heißt „Der stille Omgang“.

Liebe Brüder und Schwestern, wir feiern heute das Fest Fronleichnam. Ein Fest, an dem wir Katholiken mit dem Herrn im Allerheiligsten als eine Gemeinde durch die Straßen unserer Stadt ziehen. Dieses Jahr fehlt uns leider die Möglichkeit – wegen der Corona-Krise – mit dem Herrn feierlich durch die Straßen zu ziehen. Was machen wir? Ich denke, es ist für uns ein guter Anlass, den Sinn dieses Hochfestes in Erinnerung zu rufen. Welche Relevanz hat dieses Fest für uns und für die Welt? Von welcher Bedeutung ist dieses Fest für unseren Glauben überhaupt? Was ist der innerste Kern von Fronleichnam, den uns diese Krise nicht wegnehmen darf oder kann? Was ist der grundlegende Gedanke dieses Festes?

Es ist einfach das Zeugnis: Ich bin unterwegs mit Jesus! Ich bin unterwegs mit Gott, seit meiner Taufe! Ich bin unterwegs mit Gott jeden Tag meines Lebens. Das bedeutet, wenn ich dem Herrn in den Gottesdiensten, in den Heiligen Messen begegne, endet dieses Treffen mit Ihm nicht in den Wänden der Kirche. Ich ziehe mit Ihm, dem ich begegnet bin, den ich in der Heiligen Kommunion empfangen habe - ich ziehe mit Ihm in die Welt, in meine Ehe, in meine Familie, zu meinem Arbeitsplatz, auf die Straßen, in die verschiedenen Stationen meines Lebens. Dort lasse ich Ihn zu der Welt, zu meiner Situation, zu dem anderen in seiner Situation durch mich sprechen. Das bedeutet, es geschieht in diesen Stationen meines Lebens eine stetige Erneuerung der Gnade Gottes, weil Jesus mit mir durch sie hindurchzieht.

Am Ende der Messe sagt der Priester zu den Gläubigen, die die Heilige Messe mitgefeiert haben: „Gehet hin in Frieden“ und sie antworten: „Dank sei Gott, dem Herrn“. Das deutet an, dass der Christus, den wir empfangen haben, in die Welt mitgenommen werden soll - und mitgenommen werden will, um Ihn dort wirken zu lassen, wo wir im Alltag unterwegs oder tätig sind. In der kleinen Kammer meines Lebens muss ich Seine Gegenwart erfahrbar machen, durch meine Worte, mein Verhalten und meinen Einfluss, in kleinen oder großen Taten, die ich in meinem Alltag vollbringe. Das, liebe Brüder und Schwestern, ist der innerste Kern von Fronleichnam. Die Corona-Krise wird uns das nicht wegnehmen (können), wenn wir nicht aufgeben, der Welt die Botschaft zu verkünden, dass Jesus Christus immer unter uns ist, und zwar durch unsere kleinen und großen alltäglichen Taten. Wie die Katholiken in Amsterdam sind wir heute aufgefordert, Jesus Christus in der Stille des Alltags mitzutragen, und der Welt die Botschaft zu verkünden, dass Er immer da ist. Als lebendige Monstranz sind wir mit ihm unterwegs.



Evangelium vom Hochfest des Leibes und Blutes Christi Fronleichnam im Lesejahr :

Das Brot des Lebens

Joh 6,51ÔÇô58

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch f├╝r das Leben der Welt.
Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am J├╝ngsten Tag.
Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die V├Ąter gegessen haben, sie sind gestorben.
Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.





Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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