Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 11. Sonntag im Jahreskreis

Gott tr√§gt uns auf Adlerfl√ľgeln

Es gibt Zeiten in unserem Leben, in denen wir uns von Gott verlassen fühlen wegen der Schwierigkeiten, die wir erlebt haben oder immer noch erleben. In solchen Zeiten ist es für uns nicht einfach, an unserem Glauben festzuhalten. Es könnte so schlimm sein, dass wir sogar gegen Gott murren möchten. Das Leben führt uns nicht immer auf einfache Wege. Es gibt Stationen, wo es scheint, als hätten wir die Pfade des Lebens verloren. Ich denke, jede und jeder von uns kennt solche Lebensstationen. Wenn es jemanden geben sollte, der solche Situationen nicht erlebt hat, von dem kann man nur sagen, dass er besonders begnadet ist. Aber auch Maria, die Mutter Gottes, die voll der Gnade ist, musste ein Schwert durchleben, das ihre Seele durchdrang. Sie musste das Kreuz ihres Sohnes miterleiden, obwohl sie voll der Gnade war. Wenn man hier das Beispiel des Leidens Jesu erwähnen darf, kann man auch an den Schrei Jesu erinnern, den Er am Kreuz ausgerufen hat: „Eloi Eloi lama sabachtani“. „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

Liebe Brüder und Schwestern, solche Zeiten oder Stationen im Leben nennt die Bibel „Wüste“. In den Wüsten unseres Lebens ist es oftmals der Fall, dass wir uns von Gott verlassen fühlen. Wenn uns auch vielleicht Beispiele von solchen Zeiten fehlen, vergessen wir nicht die Corona-Krise, die wir erlebt haben und immer noch erleben. Viele Menschen sind von dieser Krise erschüttert. Haben wir nicht gedacht oder sogar gefragt: „Wo bist Du, o Gott?“ Solch eine Frage, die man aus seinem Leid heraus an Gott richtet, ist nicht immer ein Zeichen des Glaubensverlustes, sondern oft das tiefe Seufzen eines glaubenden Herzens, das die Nähe Gottes nicht mehr spürt, weil es vom Leid oder von einer unerwarteten Schwierigkeit überfordert ist.

Die gute Nachricht ist, dass Gott uns niemals verlässt. Auch in der Wüste unseres Lebens ist er immer da. Es ist sogar der Fall, dass Er uns in dieser Zeit trägt, weil wir - allein gelassen - nicht weitergehen könnten. Ich erinnere mich an dieser Stelle an eine Geschichte, die mit „Spuren im Sand“ überschrieben ist. In dieser Geschichte geht es um das Leben eines Heiligen, der mit Gott auf dem Weg seines Lebens war. Er glaubte dem Versprechen Gottes, dass Er für ihn immer da ist. Er erlebte aber in seinem Leben viele Schwierigkeiten. Dies waren für ihn Momente, wo er die Nähe Gottes nicht mehr spürte. Er beklagte sich über diese Schwierigkeiten auch im Gebet, weil er dachte, Gott habe ihn in einem schwierigen Moment allein gelassen. Eines Nachts hatte er einen Traum. So erzählte er seinen Traum:

„Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn. Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens. Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“ Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

 

Gott antwortet auch auf unsere Klage so: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“ Er sagte dem Volk Israel, als es in der Wüste war, wie wir eben in der heutigen Lesung gehört haben: „Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.“

 

Liebe Brüder und Schwestern, wenn das Leid unseres Lebens unerträglich wird, vergessen wir einfach, dass Gott für uns da ist, dass Er uns trägt, dass Er sieht, wie erschöpft wir sind, und dass Er Mitleid mit uns hat. Gerade in solchen Momenten ist es für uns nicht einfach die Nähe Gottes zu spüren. Wir brauchen oft die von Gott ausgesandten Menschen, die uns den Segen Gottes erweisen, die uns Gottes Botschaft der Liebe erfahrbar machen, die uns überzeugend daran erinnern, dass Gott uns trägt, die uns den benötigten Trost bringen. Wir Christen und Christinnen dürfen einander diese Botschaft der Liebe schenken. Wir alle sind berufen, diesen Dienst aneinander und an der Welt zu leisten. Aber ganz besonders brauchen wir überzeugte Priester, die aus Liebe und Überzeugung für unsere ermüdeten und erschöpften Seelen sorgen können. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ sagt Jesus im heutigen Evangelium. Daher bitten wir den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!



Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A:

Von der Gr√∂√üe der Ernte, Die Wahl der Zw√∂lf, Anweisung f√ľr die Mission

Mt 9,36-38.10,1-8

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren m√ľde und ersch√∂pft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen J√ľngern: Die Ernte ist gro√ü, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter f√ľr seine Ernte auszusenden.

Petrus streckt seine rechte Hand aus und h√§lt unterm linken Arm die Heilige Schrift und in der linken Hand einen Schl√ľssel.
Das Reich Gottes ist nahe!

Dann rief er seine zw√∂lf J√ľnger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.
Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Joh, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat.

Diese Zw√∂lf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter, Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht und verk√ľndet: Das Himmelreich ist nahe.

Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.





Ausdruck als pdf im A4 Format
Druckversion


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf√ľhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

√úbersicht