Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 12. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: A

F├╝rchtet euch nicht! (Lk 12,1-7)

Fürchtet euch nicht! Das ist ein wichtiges, mutmachendes Wort Jesu an uns im heutigen Evangelium. Furcht ist das Gefühl, das man vor einem bevorstehenden Schmerz, oder einer unangenehmen Situation oder einer drohenden Gefahr empfindet. Manchmal entsteht das Gefühl auch aus dem Gedanken um ein mögliches Scheitern unserer Erwartungen. Wir haben oft Furcht nicht nur vor Situationen oder Dingen, von denen wir annehmen, dass sie uns Schmerz verursachen oder uns in Gefahr bringen könnten, sondern auch vor Situationen oder Geschehnisse, von denen wir befürchten, dass sie in sich die Macht enthalten, unsere Erwartungen zu vereiteln.

Furcht ist der Angst ähnlich. Der Unterschied zwischen den beiden ist nur, dass man bei Furcht mit konkreten Situationen und Dingen zu kämpfen hat, während Angst meistens ungenaue und nicht greifbare Ursachen hat. Beide Gefühle haben aber mit drohender Gefahr oder unangenehmen Situationen, Unwohlsein, Anspannung, erhöhtem Erregungszustand, innerer Unruhe zu tun, die unser Handeln und Verhalten beeinflussen.

Diese Gefühle kennen wir gut im alltäglichen Leben. Forscher in den verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen versuchen seit langem, die Wurzeln dieser Emotionen zu entdecken, um endlich sagen zu können, wie man Kontrolle über sie bekommt. Aber das ist ihnen bisher nicht gelungen. Eine Sache ist jedoch wichtig, um die Entstehung der Furcht besser zu erkennen. Dies ist die Einschätzung. Man kann vor einer Situation Furcht haben schon allein dann, wenn man die betreffende Situation oder Sache als drohend und gefährlich einschätzt. Schätze ich also eine Situation oder eine Sache als drohend oder gefährlich ein, ist das schon die erste Bedingung für das Entstehen der Furcht.

Eingeschätzt als gefährlich wird jede Situation oder jede Sache, von der wir glauben, dass sie uns etwas Wichtiges wegnimmt. Wir fürchten uns z.B. vor einer Krankheit, weil wir glauben, sie nimmt uns unser Wohlsein oder unsere Gesundheit, dass sie uns Schmerzen verursacht, oder uns sogar das Leben nehmen kann. Wir befürchten Situationen, die unsere Sicherheit gefährden. Auch vor den Menschen haben wir manchmal Furcht. Furcht davor, missverstanden, ungeachtet, ungeliebt, ungeschätzt zu werden, usw. Wir befürchten, dass andere Menschen unser Wohlgefühl gefährden könnten. Solch eine Furcht vor den Menschen nimmt uns den Mut, die Wahrheit zu sagen, unseren Glauben öffentlich zu bekennen, ein authentisches Leben zu führen, aber auch manchmal Beziehungen zu Anderen zu vertiefen, usw.

All dies hat etwas gemeinsam, und zwar sind es Situationen oder Sachen oder sogar Menschen, von denen wir glauben, dass sie uns etwas Wichtiges nehmen können, ob es das Wohlfühlen, die Gesundheit, die Liebe, oder das Leben ist. Dazu kommt noch der Gedanke, dass wir vor einer Situation oder einer Sache ungeschützt sind. Dann denken wir, wir stünden hilflos vor dieser Situation. Wie wir also unsere Fähigkeit einschätzen, mit einer Situation umzugehen, bestätigt unsere Furcht oder löst die Furcht auf.

Wenn Jesus uns aber sagt: „Fürchtet euch nicht!“, meint er damit, dass wir eine Kontrolle über die Furcht gewinnen können.  Diese Kontrolle beginnt mit unserer Einschätzung. Einschätzung über uns selbst und über die Situation. Bei der ersten geht es um die Frage „Wer bin ich?“ Wenn ich verstehe, dass ich das Kind Gottes bin, dessen Leben nicht nur aus Irdischem besteht, sondern auch – und das ist ganz wichtig – in Gott seinen Ursprung und seine Vollendung findet, dann weiß ich, dass, auch wenn mir das irdische Leben genommen wird, ich am Leben bleibe. Ich bin mehr als der erkrankte Körper, wenn ich erkrankt bin; ich bin mehr als der missverstandene oder ungeliebte, oder einsame oder ungeschätzte Mensch, wenn ich von solchen Situationen betroffen bin; mein Leben hängt nicht von meiner Sicherheit, von meinem finanziellen Zustand, von meiner Gesundheit ab; ich lebe, auch wenn ich vor Drohungen und Gefahr stehe. Denn in Gott lebe ich, in ihm bewege ich mich, in ihm finde ich die Vollendung meines Lebens.

Bei der zweiten geht es dann um die Frage: „Wer oder was kann mir mein Recht als Kind Gottes nehmen?“ Nur den oder das soll ich fürchten. Aber wie der Heilige Paulus schreibt: „Was sollen wir dazu sagen? Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben. … Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? … ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Christi.“

Liebe Brüder und Schwestern, wir haben einen Vater, der allmächtig ist, der uns so sehr schätzt und liebt, dass er seinen geliebten eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns hingegeben hat. Er sagt uns heute: "Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst!" Seine Empfehlung ist vertrauenswert. Denn er hilft uns die Kontrolle zu gewinnen über Furcht und Angst.



Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Aufforderung zu furchtlosem Bekenntnis

Mt 10,26-33

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: F├╝rchtet euch nicht vor den Menschen!

Deckenbild Kirche St. Stefan Munzingen, Jesus triumpfiert.
... hab keine Angst, ich habe die Welt besiegt! Deckenbild Kirche St. Stefan Munzingen!

Denn nichts ist verh├╝llt, was nicht enth├╝llt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr fl├╝stert, das verk├╝ndet von den D├Ąchern.

F├╝rchtet euch nicht vor denen, die den Leib t├Âten, die Seele aber nicht t├Âten k├Ânnen, sondern f├╝rchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der H├Âlle st├╝rzen kann.

Verkauft man nicht zwei Spatzen f├╝r ein paar Pfennig? Und doch f├Ąllt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.

 

 

 

Die Hand einer Seniorin wird gehalten!.
... du bist getragen!

Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gez├Ąhlt.

F├╝rchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.

 

Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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