Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 13. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: A

Sich hingeben als das Prinzip des wahren Lebens und der Fruchtbarkeit

Je mehr wir geben, desto mehr gewinnen wir im Leben. Je bereiter wir sind, das loszulassen, was wir nicht ändern können, desto mehr gewinnen wir im Leben. Das, liebe Brüder und Schwestern, ist das Prinzip des wahren Lebens und der Weg zur Fruchtbarkeit. Sich hingeben wollen und den Mut, loszulassen, sind unersetzbar im Leben. Ansonsten geht das Leben nicht weiter. An den heutigen Lesungen erkennen wir das Wirken dieses Prinzips.

In der ersten Lesung haben wir von einer Frau gehört, die von sich aus dem Propheten Elíscha etwas zu Essen und ein Zuhause geschenkt hat. Die Frau beschäftigte sich nicht mit ihrer eigenen Not – Kinderlosigkeit. Sie hat ihren Blick auf die Not des anderen gerichtet und hat von sich etwas gegeben und hat den Propheten aus seiner Not gerettet. Und was hat sie zurückbekommen? Die Lösung in ihrer Kinderlosigkeit. Durch ihre Großzügigkeit und Gastfreundlichkeit hat diese Frau die Lösung für ihre eigene Not gefunden.

In der zweiten Lesung weist der Heilige Paulus darauf hin, dass das Leben als Christ bedeutet, mit Christus sterben und mit Ihm leben. Und was meint er damit? Unsere Jüngerschaft als Christen und Christinnen, die mit unserer Taufe in Gang gesetzt worden ist, ist ein allmähliches Sterben unserer Ichbezogenheit. Ein Sterben, das uns eine transzendentale Ebene des menschlichen Lebens eröffnet. Auf dieser Ebene zu leben ist dann ein neues Leben, das jeder Christ und jede Christin zu führen berufen ist. Auf dieser Ebene erkennen wir, dass die Wichtigkeit des Lebens nicht darin besteht, was wir momentan besitzen, sondern darin, wer wir sind - und wer wir werden, miteinander und in Gott. Das Sterben und Leben mit Christus geschieht aber nur dann, wenn wir täglich mit Christus durchs Leben gehen, und zwar in den kleinen alltäglichen Geschehnissen, bei denen Jesus von uns mehr Liebe fordert, zum Dienst an den anderen. Ich möchte darauf hinweisen, dass Liebe hier auch bedeutet, das Loslassen und die Gelassenheit, bei denen wir etwas von uns selbst geben, um etwas Besseres zu gewinnen.

Im Evangelium fordert Jesus von uns diese Liebe. Die Liebe, die uns von Ichhaftigkeit befreit und mit einer transzendentalen Mission überzieht. Er will uns lehren, dass das Leben dort gedeiht, wo wir unsere Ichhaftigkeit loslassen wollen, wo wir bereit sind, uns selbst zu geben, für das größere Gute und für das gemeinsame Wohlsein des Miteinanders. Er will uns von jeder Art von Egoismus befreien. Egoismus kann auch bedeuten, sich nur auf die eigenen Familien- und Bekanntenkreise zu konzentrieren. Jesus will unsere Sicht und Bereitschaft zu Lieben erweitern. Er will uns helfen, eine Art von Achtsamkeit zu bilden, die über uns und über unsere eigenen Familien- und Bekanntenkreise hinausgeht. Unsere Liebe wird sich nicht mehr nur auf „Ich und die Meinen“ beziehen, sondern auch bereit sein, 'einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken zu geben'.

Liebe Brüder und Schwestern, bei dieser Erweiterung der Liebe auf unbekannte Kreise müssen wir natürlich etwas loslassen und aus unserem Komfortbereich ausziehen. Es nimmt uns unsere Sicherheit und vielleicht noch viel mehr weg, aber dadurch erweitern wir das Leben. Je mehr Menschen es gibt, die aus unserer Spende der Liebe leben, desto wahrer wird unser Leben. Wenn wir aber alles behalten, was wir haben, und nichts davon loslassen wollen, nur für einen noch höheren Überschuss, dann werden wir auch nichts Neues gewinnen. Stattdessen verlieren wir sogar das, was wir glauben zu haben – unser Leben.

Ich möchte gerne diese Predigt mit einer bedeutungsvollen Aussage von Papst Franziskus beenden. Er schreibt: „Was auch immer das Leben ist, es entscheidet sich an der Fähigkeit, sich selbst zu geben. Dort erst wird das Leben fruchtbar.“ Mit diesen Worten meinte der damalige Provinzial der argentinischen Jesuiten: nicht für sich selbst zu leben und nicht für sich selbst zu sterben, sei daher die Bedingung für jede Möglichkeit der Transzendenz. Nur auf diese Weise könne das Leben wahres Leben und der Tod wahrer Tod sein. Andernfalls sei das Leben nur eine „Karikatur, eine langweilige Kette von Egoismen, die uns in geistiger Apathie erstickt.“ Wollen wir jetzt bitten um die Kraft, uns hingeben zu können zum Gewinn des wahren Lebens.



Evangelium vom 13. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Vom Lohn f├╝r die Aufnahme der J├╝nger

Mt 10,37-42

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.

Auf dem Bild Apocalypse von Ludwig Schnorr von Carolsfeld erwartet uns Jesus mit dem Auferstehungskreuz am anderen Ufer.
W├Ąhle das Leben! 
Apocalypse - Ludwig Schnorr von Carolsfeld

Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.

Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Wir sehen eine Monstranz.
Nimm Jesus in Dich auf! 
Monstanz - Seeligpreisungen, Bad Drieburg

Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.

Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.

Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch:

Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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