Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 15. Sonntag im Jahreskreis

Die Kraft des Wortes und was wir uns darĂŒber bewusst machen sollen

Wie schön ist es, zu verstehen, dass die ganze Schöpfung aus dem Wort Gottes hervorgegangen ist! Unser Dasein ist nur möglich, weil Gott uns ins Dasein gesprochen hat. Gott hat die Welt erschaffen, so heißt es im 1. Buch Mose. Er hat sie nicht aus sichtbarer Materie geschaffen, sondern durch sein Wort. Detail für Detail hat Gott gesprochen und die Welt entstand. Durch sein Wort war sie da. Welche gewaltige, kreative Auswirkung hat Gottes Wort! Welche Kraft und Macht gehen aus diesem Wort hervor! Es hat Licht, Himmel, Erde, Vegetation, Tiere, Sonne, Mond, Sterne, und noch so viel mehr, was wir Menschen nur noch nicht entdeckt haben oder sogar niemals entdecken können, geschaffen. Wie wunderbar ist es, daran zu denken, dass auch jede und jeder von uns als Wort aus dem Mund Gottes hervorgegangen ist!

„Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, … so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will“. So spricht der Herr in der heutigen ersten Lesung. Gemeint ist hier, dass das Wort Gottes nicht nur bei der Entstehung der Schöpfung wirkt, sondern es begleitet sie auch zu ihrer Vollendung. Und die Kraft, die aus diesem Wort hervorgeht, wird niemals aufhören zu wirken, bis der Wille Gottes für jede Schöpfung (auch für jede und jeden von uns) erfüllt ist.

Liebe Brüder und Schwestern, Gott hat sein Wort in die Natur jeder Schöpfung hineingesprochen. Dieses Wort begleitet sie zu ihrer Vollendung. Das bedeutet, wenn wir Menschen der Schöpfung etwas entgegensetzen, dann versuchen wir Gott zu widersprechen. Heute spricht man von vielen Katastrophen, die dann als Ernte unseres Widerspruchs der Natur zu erfahren sind. Wenn wir verstehen, dass jede Schöpfung ihre Natur und ihre einzigartige Richtung zur Vollendung hat, dann müssen wir ihr mit Respekt und Ehrfurcht zur Ehre Gottes begegnen. In der zweiten Lesung schreibt der Heilige Paulus etwas ganz Wichtiges, und zwar, dass die gesamte Schöpfung seufzt und in Geburtswehen liegt. Denn sie wartet in Hoffnung auf ihre Befreiung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit. Also sie wartet auf ihre Vollendung.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn die gesamte Schöpfung für einen bestimmten Zweck geschaffen ist und durch das Wort Gottes zu ihrer Vollendung geführt wird, wie viel mehr stimmt das für uns Menschen, die wir als Ebenbild Gottes geschaffen sind! Verstehst Du, dass Du zur Erfüllung des Willens Gottes geschaffen bist? Du bist einzigartig, aber Du kannst Deine Einzigartigkeit nicht völlig erkennen und vollenden ohne die Begleitung durch das Wort Gottes. Aber das Wort wirkt nicht in uns, ohne dass wir es annehmen und aufnehmen. Unser Herz soll für das Wort Gottes ein guter Boden werden, damit es in uns wirken kann.

Im heutigen Evangelium lehrt uns Jesus durch Gleichnisse drei Dinge, die in uns die Annahme des Wortes Gottes behindern oder sogar verhindern können: 1. Ein Herz voll Bösem kann das Wort Gottes kaum oder gar nicht verstehen oder lange behalten. Einem solchen Herzen ist das Wort Gottes bedeutungslos und egal. 2. Wenn wir das Wort Gottes aufnehmen, ohne es zu pflegen und ihm Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, verwurzelt es nicht in uns. Es hat dann keine Wurzeln in uns, weil wir ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Es geht dann verloren in den Bedrängnissen und Verfolgungen. 3. Wenn wir vor den Sorgen dieser Welt die Kraft des Wortes Gottes vergessen und unser Vertrauen nicht mehr auf Gott setzen, dann wirkt das Wort nicht in unserer Situation. Ich frage mich jetzt, welche dieser drei genannten Möglichkeiten behindert das Wort Gottes in meinem Leben?

Das Wort Gottes ist das, was Gott in unsere Natur hineingesprochen hat. Das Wort Gottes ist das, was Gott uns in seinen Anweisungen in der Heiligen Schrift geschenkt hat. Es ist das, was Er uns in Jesus Christus und seinem Erlösungswerk geschenkt hat. Es ist die Wahrheit, die er uns durch seine Propheten, aber auch durch die Kirche heute, lehrt. Damit wir unsere Vollendung erlangen können, müssen wir diesem Wort unsere Aufmerksamkeit schenken. Erfüllt mit diesem Wort können wir das Wort in alle unsere Situationen hineinsprechen. Nur dann können wir es auch allen falschen Wegen und Lügen dieser Welt entgegensetzen. Eine gute Möglichkeit ist die, unseren Sorgen sein Wort entgegenzusetzen. Z.B. wenn ich Furcht habe, spreche ich in die geistige Welt hinein: „Ich habe keinen Geist der Angst, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (nach 2 Timotheus 1,7). Und wenn ich merke, dass ich oft negativ rede, spreche ich in die geistige Welt hinein: „Ich spreche keine negativen Dinge aus, sondern was ich sage, soll hilfreich und ermutigend und aufbauend sein“ (nach Epheser 4,29).

Liebe Brüder und Schwestern, das Wort Gottes kann die Richtung unseres Lebens verändern. Es hat auch Macht und Kraft, wenn wir es aussprechen. Lasst uns unser Leben nicht mit Gerede füllen, das nicht von Gott kommt, sondern lasst uns es mit dem Wort Gottes füllen. Lassen wir uns daran gewöhnen, nicht zu jammern oder anderen den Mut zu nehmen oder sie niederzumachen, sondern ihnen und allen Situationen unseres Lebens das aufbauende und ermutigende Wort zuzusprechen.

 



Evangelium vom 15. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A:

Das Gleichnis vom SĂ€mann, Sinn und Zweck der Gleichnisse und die Deutung des Gleichnisses vom SĂ€man

Mt 13,1-23

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.

Wir sehen eine Landschaft, einen Weg und reife Frucht.
Das Reich Gottes ist nahe!
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Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein SĂ€mann ging aufs Feld, um zu sĂ€en. Als er sĂ€te, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.




Drei Frauen sitzen vor uns. Eine hÀlt sich die Augen zu. Die 2. hÀllt ihren Mud zu und die 3. ihre Ohren.
Entscheide Dich zum sehen, hören und reden!
Grischa Georgiew by Fotolia


Wer Ohren hat, der höre!

Da kamen die JĂŒnger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen.

An ihnen erfĂŒllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.

Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Wir sehen reife Ähren eines Feldes.
Bringe Frucht!
Subbotina Anna by Adobe Stock



Hört also, was das Gleichnis vom SĂ€mann bedeutet. Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesĂ€t wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbestĂ€ndig ist; sobald er um des Wortes willen bedrĂ€ngt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall. In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trĂŒgerische Reichtum, und es bringt keine Frucht. Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesĂ€t, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde BlindenfĂŒhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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