Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 21. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Das Leben mit Christus ist unendlich viel mehr als Ă€ußerliche NĂ€he

Wer sein Leben mit Gott gestalten oder begehen will, entdeckt früher oder später, dass das viel mehr bedeutet, als ein soziales Engagement oder äußerliche Aktivitäten. Darauf deuten auch die Lesungen hin, die wir eben gehört haben. Als das auserwählte Volk Gottes wurden die Israeliten von Gott einen Weg geführt, durch den sie letztendlich zum heiligen Berg Gottes „Jerusalem“ gebracht wurden. Gott hatte sie vieles durchmachen lassen. Ihre Lebensgeschichte wurde eine Geschichte der Lebensreise mit Gott; eine Geschichte, die aus einer engen Beziehung mit Ihm entstanden war. Ihre Geschichte sollte dann eine des Hineinwachsens in die Beziehung mit Gott sein. Sie mussten diese Beziehung mit Ihm immer mehr vertiefen, durch verschiedene Arten von Opfergaben, die sie regelmäßig aufopfern sollten. Durch diese Beziehung, die ein Muster der Beziehung mit Gott geworden ist, zeigt Gott uns allen, wie wir mit ihm in Beziehung sein dürfen – mit ihm unsere Lebensreise zu machen. Wie wir wissen, mit jemandem eine Lebensreise zu machen, bedeutet viel mehr, als dass man mit ihm ein paar soziale oder äußerliche Aktivitäten seines Lebens teilt.

Liebe Brüder und Schwestern, Beziehung mit Gott fordert von uns viel mehr als äußerliche Nähe, die auf sozialer und äußerlicher Ebene des Lebens geschieht. Sie ist eine Lebensreise, die uns innerlich bewegt und verändert. Das hat Jesus im heutigen Evangelium klar gemacht. Dass man mit ihm gegessen oder getrunken hat, oder er auf ihren Straßen gelehrt hat, bedeutet noch nicht, dass man eine Beziehung mit ihm eingegangen ist. Ich muss es auch zulassen, dass Jesus mein Leben verändert. Jesus sagt: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.“ Wissen Sie? Wenn man durch eine enge Tür nicht hineinkommen kann, bedeutet das, dass man entweder zu viel trägt oder zu dick ist, als dass man durch solch eine enge Tür hineinkommt.

Die Tür zur Vollkommenheit ist eng, nur diejenigen können durch sie hindurchgehen, die sich auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren. - Man muss sich nur auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren, damit man durch diese Tür gelangen kann. Es gibt im Leben viele unwichtige Dinge, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken, die es uns aber schwer machen, durch diese enge Tür der Vollkommenheit und des Heils hineinzukommen. Eine Beziehung mit Christus bewegt uns innerlich und ändert unser Leben, indem sie uns hilft, die wichtigen Dinge des Lebens zu erkennen und auf sie unsere Aufmerksamkeit zu richten. Jesus lehrt uns, die unwichtigen Dinge im Leben wegzulassen und uns nur den wichtigen Dingen zu widmen. Begleitet von ihm auf unserer Lebensreise können wir wirklich leicht pilgern, weil wir uns allmählich durch lebenslange Umkehr auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Diese Beziehung geschieht, nicht weil wir mit Christus gegessen oder getrunken haben, oder weil er uns auf den Straßen gelehrt hat, sondern, weil wir ihm zuhören, weil wir uns umkehren lassen. Es reicht nicht aus, dass wir einmal getauft wurden oder dass wir an äußerlichen Aktivitäten teilnehmen, oder dass wir in der Kirche engagiert sind. Wir müssen grundsätzlich umkehren und für Christus leben.

Auch heute, wenn wir mit einer großen Freude diese Dankmesse mit unseren Jugendlichen feiern, die von zwei Wochen Aktivitäten der Ferienfreizeit in Wagrain zurückgekommen sind, möchte ich ihnen etwas sagen: freut euch nicht, dass ihr viele soziale Aktivitäten hattet und feiern konntet, sondern, dass ihr zwei Wochen Zeit mit dem Herrn verbracht habt. Wir freuen uns deswegen, weil durch diese Zeit mit ihm eure Beziehung mit ihm vertieft wurde.

Wir wissen, was in menschlicher Beziehung passiert: Eine wahre Beziehung besteht nicht nur in äußerlicher Nähe, sondern auch (und zwar besonders) in innerlicher Verbundenheit. Die Heilige Theresia von Avila beschreibt diese Verbundenheit mit Gott als ein „Miteinander, das mehr als eine Verlobung ist“. Sie sagt: „Dieses Miteinander ist mehr als eine Verlobung, wo noch eine Trennung vorkommen kann. Wer ganz zu Gott gefunden hat, ist wie Wasser in einem Fluss, wo man nicht mehr unterscheiden kann, welches Wasser aus dem Fluss strömt und welches bei Regen dazukommt.“ Ich finde diese Vorstellung von einer Beziehung mit Gott sehr schön. Das heißt, in dieser Beziehung kann man nicht unverändert bleiben. Es ist Gottes Wille, dass die Qualität unseres Daseins ins Göttliche gesteigert wird. Genau das tut er, wenn wir es zulassen. Er will uns mit seiner unendlichen Liebeskunst durchdringen. Wir bitten um die Gnade, zuzulassen, dass er uns so innerlich bewegt, wie er das will.

 



Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Von der engen und der verschlossenen TĂŒr

Lukas 13,22-30

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.

Eine kleine offene TĂŒr und eine geschmĂŒckte verschlossene TĂŒr bilden HauseingĂ€nge.
WĂ€hle die TĂŒr zum Leben!
Foto: Holger Winkelmann

Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.

Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!

Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.

Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.





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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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