Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 24. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Verletzung, Vergebung und seelische Ruhe

Wir Menschen erleben oft Situationen, die uns seelisch verletzen und in unserem Leben viel Leid verursachen. Dies sind Situationen, die unser Würdegefühl, unsere Sicherheit, unsere Erwartungen und Hoffnungen, unsere Lebensnormalität, usw. gefährden oder sogar an den Rand des Scheiterns bringen. Es sind Situationen, die unsere Erwartungen von Liebe und sich geliebt fühlen enttäuschen. Solche Situationen entstehen oft nicht ohne Grund. Sie sind mit einem Verursacher, ‚dem Täter,‘ verbunden, also mit demjenigen, der sie verursacht. Wen die Schuld dafür trifft, dass ich unter einer seelischen Verletzung leide, ist der Verursacher. Ich soll aber nicht in meinem Schmerz bleiben. Ich muss mich auf den Weg der Heilung begeben. Jede Verletzung hat ihr Heilmittel, ob es eine Körperverletzung ist oder eine seelische Verletzung. Für die Heilung von seelischen Verletzungen ist es wichtig, dass wir nicht nur unseren Schmerz wahrnehmen und annehmen, sondern auch alle Gefühle, die den Schmerz noch vermehren, loslassen.

Wie wir wissen, kann der Schmerz einer seelischen Verletzung sehr lange andauern, nicht unbedingt nur wegen der Tat des anderen, sondern wegen unserer Gedanken und Gefühle, die auf die Tat folgen. Es sind Gedanken von Rache, und Gefühle von Wut, Ärger, Hass, die uns immer wieder seelisch verletzen. Solange wir in uns solche Gedanken und Gefühle zulassen, erfahren wir die Ohnmacht, durch die wir immer das Opfer bleiben. Es gibt aber einen sicheren Ausweg: Vergebung! Vergebung ist nicht nur ein respektables Wort: Sie kann viel bewirken und uns bei der Heilung unserer seelischen Verletzungen helfen. Sie hilft uns, das Vergangene loszulassen und im Hier und Jetzt zu leben. Liebe Brüder und Schwestern, in den Lesungen von heute geht es um dieses wichtige Heilmittel bei seelischen Verletzungen.

Warum ist Vergebung so wichtig? Oft denken wir, dass die Vergebung den Täter befreit, der uns die seelische Verletzung zugefügt hat. Ja, das ist richtig. Aber das Wichtigste, das durch unsere Vergebung geschieht, ist unsere eigene Befreiung: Befreiung von negativen Gedanken und Gefühlen, die uns mehr verletzen als die Tat selbst. Wenn Jesus uns im heutigen Evangelium auffordert zu vergeben siebenundsiebzigmal, meint er, befreie dich von weiteren Verletzungen, immer wenn Du einmal von einem anderen verletzt worden bist. Vergebung ist wichtiger zu unserer eigenen Befreiung als für den Täter. Das bedeutet dann, immer wenn wir sagen: „Nein, das geht nicht, ich kann es ihm niemals in meinem Leben verzeihen!“ bedeutet das: ich möchte mich nie von dieser Verletzung befreien. Wenn wir das so sehen, dann verstehen wir, wie dumm es ist, nicht zu vergeben.

Gedanken der Rache, und Gefühle von Wut, Ärger und Hass sind keine Option zur Heilung. Sie vermehren und verschlimmern unsere Schmerzen. Sie sind die Gründe, weshalb wir immer Opfer bleiben können. Sie verursachen negative Energie, die uns viel Kraft entzieht und die Funktion unseres Körpers gefährdet. Viele Menschen verstehen nicht, wie gefährlich es ist, auch für unsere Gesundheit, wenn wir die Vergebung verweigern. Es liegen mittlerweile einige Studien vor, die unter anderem den wichtigen Hinweis geben, dass es für die eigene Gesundheit besser sein könnte, rechtzeitig zu verzeihen und nicht den Groll mit sich herumzutragen. Ohne die Vergebung konzentrieren wir uns weiter auf unsere seelische Verletzung. Das nimmt uns die Kontrolle über unsere Gefühle. Was passiert dann? Eine Anspannung der Muskulatur, negative Auswirkungen nicht nur auf das Herz-Kreislauf-System, sondern auch auf das Nervensystem. Es gibt inzwischen Beweise über schmerzhafte Erkrankungen, die durch Vergebung geheilt wurden. Die Wichtigkeit der Vergebung ist daher keine bloße Theorie, sie ist immer auch in der Praxis erlebbar.

Vielleicht denkst Du: „Aber es fällt mir zu schwer zu vergeben!“ Ja, Du hast recht. Die Vergebung ist nicht einfach. Wir müssen erst verstehen, wie wichtig sie ist für unsere Gesundheit, unser Wohl und unser gegenwärtiges und zukünftiges Dasein, bevor wir davon überzeugt sind, zu vergeben. Mit unserer seelischen Verletzung anders umzugehen als durch Vergebung bringt keine dauerhafte Heilung. Das ist nicht einfach, aber wir können mit Gottes Hilfe rechnen. Jesus lädt uns ein: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last erdrückt werdet, ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28).

Bist Du seelisch verletzt, und glaubst vielleicht, dass Du dem anderen gar nicht vergeben kannst, oder dass Du ihm eine 'Last' nimmst oder das zugefügte Leid negierst, wenn Du ihm vergibst? Vergebung leugnet nicht den zugefügten Schmerz. Aber sie lindert das Leid, und zwar Deines. Nimm Dir die Zeit und die Ruhe, um intensiv darüber nachzudenken, wem und was es im Laufe Deines Lebens zu verzeihen und zu vergeben gibt. Komm zu Jesus mit dieser Last. Er möchte Dich auf dem Weg der Heilung begleiten, und zwar durch Vergebung. Sprich mit Ihm über die Tat und den Täter. Du kannst das auch zu Papier bringen. Lass die Kraft des Heiligen Geistes in Dich eindringen. Lass los und sprich Deine Vergebungsworte aus. Du wirst seelische Ruhe erleben, wenn Du wirklich vergibst! Vergebung ist der einzige Weg zum inneren Frieden.



Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Das Christusbekenntnis des Petrus und die erste Ank├╝ndigung von Leiden und Auferstehung Jesu

Mk 8,27-35

In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?

Sie sagten zu ihm: Einige für Joh den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

Ein Mann tr├Ągt einen anderen auf seinen Schultern. Ihre Gesichter sind so dargestellt, dass 3 Augen uns anblicken. Das mitlere Auge kann sowohl zu dem Tr├Ąger als auch zu dem Getragenen zugeordnet werden.
K├╝nstler: Marko I. Rupnik; Der barmherzige Vater
Christus l├Ądt sich den verlorenen Menschen auf die Schultern

Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias!

Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe.

Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.








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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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