Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Die Taufe Jesu im Lesejahr C:

Es öffnete sich der Himmel

Heute dürfen wir die Taufe Jesu feiern. Das Fest der Taufe Jesu ist eines der Hauptfeste, die die Mitte unseres Glaubens bilden. Denn aus der Taufe Jesu lernen wir, wie bedeutsam und notwendig die Taufe ist und was genau bei der Taufe passiert. Drei wichtige Dinge ereignen sich bei der Taufe: 1. Eine Beziehung mit Gott wird bewusst geöffnet und dadurch mit allen Getauften und himmlischen Boten, 2. Eine Bestätigung vom Himmel (von Gott) und 3. Eine Bekräftigung vom Himmel. Diese drei wichtigen Geschehnisse werden in der Überschrift dieser Predigt zusammengefasst: Es öffnete sich der Himmel. Denn sie können nur geschehen, weil der Himmel sich öffnete. Wir wissen, dass der Himmel die Gegenwart Gottes bezeichnet, also, die Gegenwart Gottes, die uns Menschen wegen der Sünde verschlossen war. Wir kennen diese Geschichte gut. Bei der Taufe öffnet sich Gottes Gegenwart zu dem Neugetauften. Dann verwirklichen sich diese drei wichtigen Dinge in seinem Leben. Man kann sich fragen, ob Jesus wirklich getauft werden brauchte. Denn er ist Gott und der Himmel ist ihm immer offen. Obwohl Jesus Gott ist, ließ er sich taufen, um uns die Wichtigkeit der Taufe zu zeigen.

Jetzt betrachten wir genauer die Bedeutung dieser drei wichtigen Geschehen.

  • Eine Beziehung mit Gott: Im Fall Jesu wurde die Stimme des Vaters gehört, als dieser sagte: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Diese Offenbarung ist zugleich die Verkündigung seiner Beziehung mit seinem Vater und eine Bestätigung seines Status und Rechts. Für Jesus besteht diese Beziehung auf immer. Es gab niemals eine Unterbrechung seiner Beziehung mit dem Vater. Die Offenbarung ist daher für uns gedacht. Denn daraus lernen wir, dass unsere Taufe nicht ein leerer Ritus ist. Sie bezeichnet vielmehr eine vom Himmel geöffnete Beziehung mit Gott, in die wir danach immer mehr hineinwachsen sollen. Durch die Taufe werden wir Kinder Gottes. Eine Vater-Kind-Beziehung dauert das ganze Leben. Sie ist nicht eine „hit and run“-Beziehung. Es ist daher bedauerlich, dass manche Familien die Taufe ihres Kindes wie einen leeren oder einen „hit and run“-Ritus ansehen. Denn sie lassen das Kind taufen, aber sie versuchen nicht, es in der Beziehung mit Gott weiter zu erziehen. Sie tun mit diesen Kindern etwas, was paradoxal scheint, aber was ich mit dem folgenden Beispiel verdeutlichen möchte: Stell dir vor, du nimmst dein Kind mit zur Schule oder zum Kindergarten. Aber nachdem du es in der Schule angemeldet hast, gehst du mit dem Kind wieder weg. Es kommt nicht mehr in die Schule. Ist das nicht paradoxal? Noch ein anderes Beispiel: Wenn ein Ehepaar bei der Eheschließung öffentlich ihre Beziehung verkündet hat, ist diese Verkündigung nur der wichtige Anfang einer Beziehung. Sie sollen danach allmählich diese Beziehung im Einzelnen entwickeln und in sie hineinwachsen. Genau so ist unsere Taufe gemeint. Sie öffnet uns eine Beziehung, in die wir hineinwachsen dürfen und sollen – eine Beziehung mit Gott, mit allen Getauften - und mit den mit Himmel und mit unserer Erziehung verbündeten Boten.
     
  • Eine Bestätigung vom Himmel: Wie schon oben angedeutet, bestätigt die Stimme vom Himmel die Sohnschaft Jesu. Du bist mein geliebter Sohn. Diese Bestätigung vom Himmel besteht nicht in leeren Worten. Sie ist vielmehr eine Offenbarung des Rechts Jesu als der Sohn Gottes. Dieses Recht soll Jesus auf allen Ebenen seiner Beziehung und Zusammenarbeit mit seinem Vater einlösen. Alles, was Jesus getan hat, verknüpft er mit diesem Recht. Bei uns soll das auch so sein. Mit der Taufe sind wir Kinder Gottes geworden. Das Recht, das wir als Kinder Gottes haben, besteht immer, außer, wenn wir es bewusst widerrufen. Wenn wir unser Recht als Kinder Gottes erkennen und dieses Recht auf allen Ebenen unseres Lebens abrufen, erfahren wir wirklich, was es heißt, Kinder Gottes zu sein. Es heißt, dass der geöffnete Himmel offen für uns bleibt. Es heißt, dass wir nicht mehr allein sind.
     
  • Eine Bekräftigung vom Himmel: Das dritte ist, dass Jesus bei seiner Taufe vom Himmel bekräftigt worden ist. Im Evangelium haben wir gehört: „… und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab.“ Das bezeichnet diese Bekräftigung, von der ich schreibe. Es heißt in Lk 4,18: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Botschaft bringe. …“ Die Salbung mit dem Heiligen Geist geschieht auch bei unserer Taufe. Sie ist eine Bekräftigung, die wir benötigen, um unsere Mission auf der Erde zu finden und sie zu vollbringen. Das bedeutet dann, dass unsere Taufe nicht mit ihr endet. Die vom Heiligen Geist empfangene Kraft bewirkt in uns das, was ich „Heilige Unruhe“ nenne. Diese Salbung lässt uns nicht in Ruhe, nicht eher, bis wir uns mit dieser Mission beschäftigen. Das ist auch eine weitere Andeutung, dass die Taufe nicht als ein „hit and run“-Ritus anzusehen gemeint ist. Sie ist das Fundament, auf dem unser ganzes Leben beruht, auf das sich unser ganzes Leben bezieht. Sie ist unwiderruflich und wirksam in unserem alltäglichen Leben.

Liebe Brüder und Schwestern, so wichtig ist die Taufe, dass wir sie nicht als leeren Ritus ansehen dürfen. Denn sie öffnet uns den Himmel. Diese Öffnung des Himmels verknüpft uns mit Gott in einer lebenslangen Beziehung, bestätigt unseren Status als Kinder Gottes, und damit das daraus resultierende Recht, und bekräftigt uns, um für den Auftrag unseres Lebens zu leben. Rufen wir diese Bedeutungen mit Dank in Erinnerung und beten wir jetzt um die Erneuerung und die Verwirklichung dieser Geschehnisse in uns. Amen.   



Evangelium vom Die Taufe Jesu im Lesejahr C:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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