Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Nicht nur die Lampe des Glaubens mitnehmen, sondern auch das ├ľl des Glaubens

Es sind in den Lesungen von heute zwei Worte, die vorrangig sind, nämlich, Öl und Weisheit. Wie immer an jedem 32. Sonntag im Jahreskreis geht die Rede heute über das Öl. Hinzukommt das Wort „Weisheit“. Also Öl und Weisheit! In der ersten Lesung wird die Notwendigkeit der Weisheit betont: Wer sie sucht, der findet sie; wer über sie nachsinnt, der ist vollkommen klug; wer ihretwegen wacht, der wird schnell von Sorge frei. Im Evangelium unterscheidet das Öl zwischen den fünf törichten Jungfrauen und den fünf weisen Jungfrauen. Töricht waren die Jungfrauen, die ihre Lampen mitnahmen, aber kein Öl. Dagegen waren die Jungfrauen weise, die mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mitnahmen. In diesem Sinn sind diejenigen weise, die nicht nur Lampen mitnehmen, sondern auch Öl. Jetzt haben wir die Worte Weisheit, Öl und Lampen. Aber was bedeuten sie in unserem Glaubensleben und wie sind sie miteinander verbunden?

In der Heiligen Schrift hat jedes dieser drei Worte eine bekannte Bedeutung. Eine Lampe wird gewöhnlich zur Erzeugung von Licht verwendet. Aber es muss ein Leuchtmittel vorhanden sein, bevor eine Lampe das Licht erzeugen kann. Das Öl ist dann das Leuchtmittel, das vorhanden sein muss, bevor eine Lampe das Licht erzeugen kann. Ohne das Öl wird eine Lampe nutzlos. Denn ohne Öl kann sie kein Licht spenden. Deshalb ist es Torheit, eine Lampe mitzunehmen, ohne das Leuchtmittel – Öl. Weisheit ist es dann, eine Lampe immer mit Öl gefüllt mitzunehmen. Der Leuchter – d.h. Lampe mit Öl – ist ein Symbol für das Licht, das man durch ihn erhält. In Ps 119,105 heißt es: „Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad, [O Herr].“ In der Bibel bezeichnet das Licht das Wort Gottes oder die Gegenwart Gottes. Es ist ein Symbol, nicht nur, dass Gott hier spricht, sondern auch, dass Er hier wirkt.

Wissen Sie, dass Öl auch ein Symbol des Heiligen Geistes ist? Eine Lampe mitzunehmen - ohne das Öl - ist ein bemerkenswertes Bild des Bekenntnisses des Glaubens ohne den Heiligen Geist. Das war die Erfahrung der Jünger Jesu, bevor sie die Kraft des Heiligen Geistes empfingen. Petrus z.B. hatte bekannt, dass Jesus der Messias ist, aber als er von der Bedrängnis des Kreuzes bedroht wurde, hat er Jesus dreimal verleugnet. Das war der Zustand, bevor Petrus den Heiligen Geist empfing. Aber nach dem Empfang des Heiligen Geistes hat er den Glauben mutig und voller Kraft verkündet – auch vor den Vorstehern der Juden und den Schriftgelehrten. Wir sehen hier einen großen Unterschied!

Bei der Taufe hat jede und jeder von uns eine brennende Kerze empfangen, als ein Zeichen der Gegenwart Gottes, mit dem Auftrag, das Licht dieser Kerze zu bewahren. Bei der Bewahrung dieses Lichtes sollen die Eltern und die Paten dem getauften Kind helfen, bis es die Bedeutung und Notwendigkeit dieses Licht selbst verstehen kann. Bei der Firmung, wenn das Kind – nun als Jugendlicher – den Glauben selbst bekennt, empfängt es den Heiligen Geist durch die Salbung und das begleitende Gebet des Bischofs. Wir alle, die wir hier in dieser Heiligen Messe versammelt sind, haben die Lampe des Glaubens. Wir haben die Lampe des Glaubens, wenn wir getauft worden sind. Wir haben die Lampe, wenn wir die Gottesdienste besuchen. Wir haben die Lampe, wenn wir uns als Christen und Christinnen ansprechen lassen. Wir haben die Lampe, wenn wir das Wort Gottes hören. Es muss aber in dieser Lampe Öl sein. Daran erkennen wir, dass wir unsere Lampe mit Öl gefüllt haben, wenn das Wort Gottes, das wir hören, in unserem Leben Frucht bringt – Frucht der Liebe (vgl. Gal 5, 13-14, 22-23).

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir heute über die Situation unseres Glaubens nachdenken, stellen wir fest, dass es uns am meisten am Öl des Glaubens fehlt. Das Öl des Glaubens fehlt in einer christlichen Familie, die keine Zeit mehr für das Gebet hat. Das Öl fehlt in dem Leben, wo es z.B. keinen Raum für Vergebung gibt. Das Öl fehlt in mir, wenn ich in meinem Alltag keinen Raum für Gott habe, wenn ich nur noch das „Ich“ erhebe, und denke, ich tue nur das, was ich will. Das Öl fehlt in meinem Glauben, wenn ich mich der Bedrängnis dieser Zeit so sehr aussetze, dass ich die Augen nicht mehr zu Gott erhebe. Fehlt es auch Ihnen, das Öl des Glaubens? Wir brauchen das Öl, um unseren Glauben zu leben. Lasst uns in der Stille unseres Herzens um das Öl des Glaubens bitten. Wie der Psalmist, lasst uns beten: „Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott.“ (Ps 63 (62), 2)



Evangelium vom 32. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Polemik gegen die Schriftgelehrten und die vorbildliche Witwe

Mk 12,38-44

In jener Zeit lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.

Eine arme Frau tr├Ągt ein Kind auf dem Arm und steht neben einem Opferkasten. Viele wohlgekleidete M├Ąnner schauen sie an!
James Tissot, Brocklyn Museum
Die Witwe gab alles ...

Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.

Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.

Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.

Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.





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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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