Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 2. Sonntag nach Weihnachten Lesejahr: B

Dass wir mit den Augen des Herzens sehen können

Wir haben Weihnachten gefeiert. Trotz Corona-Situation haben wir versucht, die Freude dieses Hochfestes zu erleben und sie miteinander zu teilen. Wir konnten einander Freude bereiten, trotz aller Einschränkungen. Dafür sind wir Gott dankbar. Noch viel dankbarer können wir aber sein, wenn wir daran denken, dass das Geschenk der Freude, die das Weihnachtsfest uns vermittelt, nicht nur ein paar Tage währt, sondern uns lebenslang begleiten kann. Denn der Ursprung dieser Freude ist das wahre Licht, das ist das wahre Geschenk von Weihnachten. Es kann uns so viel mehr bedeuten als wir denken, wenn es unter uns bleibt und in unserer Welt leuchtet. Es gibt uns die Macht, Kinder Gottes zu werden und es zu bleiben. Es kann die Dunkelheit unseres Lebens erleuchten und hell machen. In der zweiten Lesung erwähnt Paulus das Wichtigste, was dieses Licht in unserem Leben tut: Es erleuchtet die Augen unseres Herzens!

Es geht uns oft schlecht, nicht nur wegen der schlechten Dinge, die in unserem Leben oder in unserer Welt geschehen, sondern vielmehr wegen der Tatsache, dass wir nicht mehr mit den Augen unseres Herzens sehen. Es ist nicht das, was in unserem Leben geschieht, was uns die Freude nimmt oder gibt, sondern, wie wir das sehen, und mit welchen Augen wir das sehen. Die Augen des Herzens sehen ganz anders, sie sehen viel mehr und viel besser. Mit diesen Augen sehen wir nicht nur das unmittelbare Geschehen, sondern auch die Hoffnung und die Möglichkeiten, die trotz allem bestehen. Die Augen des Herzens helfen uns nicht nur, das zu sehen, was der andere getan hat, sondern auch den Hintergrund seines Verhaltens und die guten Möglichkeiten, die aus solchen Situationen entstehen können.

Mein Freund (in Nigeria) hat mir vor ein paar Tagen erzählt, was in seiner Familie passiert ist. Seine Frau hatte eine Affäre mit einem anderen Mann. Eine Affäre, die vor einem halben Jahr begann. Er erkannte das aber erst kurz vor dem Weihnachtsfest. Für ihn war das ein großer Schock. Er wurde zuerst so wütend, dass er nicht mehr richtig denken konnte. Die ganze Nacht weinte er und überlegte eine sofortige Trennung von seiner Frau. Am nächsten Tag dachte er, „ich kann das nicht ertragen, Gott hilf mir.“ Dann ist er zu einer Kapelle gegangen, um irgendeine Ahnung darüber zu bekommen, was er tun sollte. In dieser Kapelle gingen viele Gedanken durch seinen Kopf. Dann kamen auch die Erinnerungen über die schönen Zeiten und Erlebnisse, die er mit seiner Frau gemeinsam erlebt hatte, viele gute Erfahrungen und Beispiele, die sie beide ihren Kindern durch ihre gegenseitig-ergänzenden Kräfte beigebracht hatten, und, wie eine sofortige Trennung von seiner Frau nicht nur all diese guten Sachen und Erlebnisse beschädigen würde, sondern auch die Zukunft ihrer Kinder. Erst dann beschloss er, darüber mit seiner Frau zu sprechen, um eine bessere Lösung zu finden. Am Fest der Heiligen Familie führte er dann mit seiner Frau ein langes Gespräch, in dem seine Frau ihr Verhalten tief bereute und um seine Vergebung bat. Es geht seiner Familie wieder gut. Durch Vergebung hat er nicht nur seine Frau wiedergewonnen, sondern auch den bevorstehenden Schaden hinsichtlich der Zukunft seiner Kinder abgewendet. Durch die Augen seines Herzens hatte er viel besser sehen können.

Liebe Schwestern und Brüder, wir brauchen dieses Jahr die Augen unseres Herzens, damit wir nicht nur das unmittelbare Geschehen sehen, sondern auch die Hoffnung und die Möglichkeiten, die wir trotz allem haben. Wir brauchen diese Augen, damit wir den Sinn des Lebens im Blick behalten können. Wir brauchen diese Augen, damit wir nicht nur die steigende Zahl der Corona-Infektionen sehen, sondern auch die Kraft Gottes und seine allgegenwärtige Liebe, die in uns und in unserer Welt wirkt. Wir brauchen die Augen des Herzens, damit wir befähigt werden, nicht nur gegenseitig unsere Fehler zu sehen, sondern auch die Möglichkeiten unserer Bekehrung. Aber mit diesen Augen können wir nur sehen, wenn das wahre Licht sie erleuchtet. Darum beten wir auch mit Paulus: „Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, erleuchte die Augen unseres Herzens, damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir durch ihn berufen sind und welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.“ (Eph 1,18)



Evangelium vom 2. Sonntag nach Weihnachten im Lesejahr :

Das ewige Wort

Joh 1,1-18

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott.

Eine aufgeschlagene Bibel ist zu sehen.
Das Wort Gottes ist der Inhalt der Bibel


Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Joh. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Johannes zeigt unter dem Kreuz mit einem überlangen Finger auf den gekreuzigten Christus.
... er ist der Erlöser!
Mathis Gothart Gruenewald




Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Joh legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.

Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276