Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum Taufe des Herrn Lesejahr: B

Es öffnete sich der Himmel

Als Jesus getauft wurde, öffnete sich der Himmel, um darauf hinzudeuten, was für eine Beziehung Jesus mit dem Vater und dem Heiligen Geist hat. Die Stimme des Vaters bestätigte, wer Jesus ist; die Gegenwart des Heiligen Geistes bekräftigte Ihn für seine Mission. Das war sicher nicht der Anfang seiner Beziehung mit dem Vater und dem Heiligen Geist, sondern eine Gelegenheit, auf diese immerwährende Beziehung hinzudeuten. Dadurch erst erkannte Johannes der Täufer, dass der angekündigte Messias erschienen ist und konnte deswegen ihn der Welt zeigen. All das zeigt uns, wie wichtig die Taufe ist. Sie ist kein bloßer oder leerer Ritus, sondern sie begründet ein dreifältiges spirituelles Geschehnis, das fortwährend wirkungsvoll bleibt, wenn die Getauften dabei mitwirken wollen. Aber die Hauptsache in diesem Geschehnis ist, dass sich der Himmel öffnet und aus der Berührung des Himmels und Erde entsteht eine wichtige Beziehung: eine Beziehung mit dem Dreieinigen Gott.

Eine Beziehung mit Gott: Im Fall der Taufe Jesu wurde die Stimme des Vaters gehört, als dieser sagte: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Diese Offenbarung ist zugleich die Verkündigung seiner Beziehung mit seinem Vater und eine Bestätigung seines Status und Rechts. Für Jesus besteht diese Beziehung auf immer. Es gab niemals eine Unterbrechung seiner Beziehung mit dem Vater. Die Offenbarung ist daher für uns gedacht, damit wir wissen, dass auch wir durch die Taufe in einer Beziehung mit Gott eingebürgert sind. Unsere Taufe bezeichnet eine vom Himmel geöffnete Beziehung mit Gott, in die wir danach immer mehr hineinwachsen sollen. Durch die Taufe werden wir Kinder Gottes. Und, wie wir wissen, eine Vater-Kind-Beziehung dauert das ganze Leben. Sie ist nicht eine „hit and run“-Beziehung. Ich weiß nicht, ob Sie schon Mal darüber nachgedacht haben, wie viel es bedeutet, dass Sie ein geliebtes Kind Gottes sind!

Das bedeutet für mich: ich habe einen Vater, der alles von mir weiß und mich liebt, trotz all meiner Schwächen. Immer wenn ich an diese Bedeutung meiner Beziehung mit Gott denke, bricht das Lied aus meinem Herzen hervor: „I have a father who never fails me, and who will never fail me forever more“ das bedeutet übersetzt, „Ich habe einen Vater, der mich nie im Stich lässt“. Diese Beziehung bedeutet für mich alles. Wenn ich müde und erschöpft bin, komme ich zu Ihm, mit der Zuversicht, dass ich in Ihm neue Kraft schöpfe. Wenn ich unter Enttäuschungen und Versagen leide, komme ich zu Ihm, der sich mir nie verschließt. Wenn die Tür des Herzens des Menschen für mich verschlossen ist, komme ich zu Ihm, durch Ihn bleibt der Himmel offen für mich. Ob ich weine oder lache, ich komme zu Ihm mit meinen Gefühlen, mit der Sicherheit, dass Er alles über mich weiß und mich trotz all meiner Schwächen liebt. Ich glaube auch, jeder und jede Getaufte kann zu Gott mit solch kindlichem Vertrauen kommen, und wird sicher nicht enttäuscht, weil der Himmel offen für uns bleibt.

Und, was erwarten wir, wenn wir unsere Kinder taufen lassen? In unserer modernen Gesellschaft, in der der Glaube keine Rolle mehr im Leben des Menschen und in der Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens zu spielen scheint, möchten viele Eltern ihre Kinder taufen lassen, nicht, weil sie an diese wichtige Bedeutung der Taufe denken, sondern, weil sie ihren Kindern die Möglichkeit schaffen wollen, in der Zukunft einen Platz in einer guten Schule zu bekommen. Ja, wenn die Taufe dem Kind einen Platz in einer guten Schule ermöglicht, ist das schon gut. Aber es gibt darüberhinaus eine wesentliche Rolle der Taufe, die wir nicht übersehen dürfen: Die Beziehung mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, die mit der Taufe beginnt; auch den geöffneten Himmel, der das Kind im Leben begleiten kann. Das Kind soll deswegen in diese Beziehung mehr und mehr hineingeführt werden. Wir sollen es lehren, seine Beziehung mit Gott zu erkennen und zu schätzen. Wir sollen es lehren, seinen Platz in der Familie der Getauften – der Kirche – zu erkennen. Wir sollen für es den Himmel offenhalten, durch unser Flehen und Gebet für das Kind. Und, wenn die Oma und der Opa regelmäßig für ihre getauften Enkelkinder eine Kerze des Gebets in der Kirche anzünden, spielt das auch eine Rolle für das Wachstum der Kinder in ihrer Beziehung mit Gott.

Liebe Schwestern und Brüder, jeder Mensch will ein erfülltes Leben führen. Aber oft fehlt uns die Erkenntnis, was das bedeutet und wie wir ein solches Ziel erlangen können. Der Heilige Geist, der auf Jesus bei seiner Taufe ruht, war Ihm ein Begleiter zu diesem Ziel. Jesus erwähnt in Lk 4,18 die Bedeutung dieser Bekräftigung vom Himmel: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Botschaft bringe. …“ Die Salbung, die wir bei der Taufe bekommen, bezeichnet die Bekräftigung mit dem Heiligen Geist, der uns nicht in Ruhe lässt, nicht eher, bis wir uns mit dieser Mission beschäftigen. Wir können eine „Heilige Unruhe“ erleben, wenn wir der Kraft des Heiligen Geist unser Herz öffnen. Das beginnt mit der Taufe. All das zeigt uns, dass die Taufe nicht als ein „hit and run“-Ritus angesehen werden darf. Sie spielt eine zentrale Rolle im christlichen und kirchlichen Leben. Sie kann auch in unserem alltäglichen Leben wirksam sein - und bleiben.



Evangelium vom Taufe des Herrn im Lesejahr :

Die Taufe Jesu

Mk 1,7-11

In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Jesus wird von Joh getauft. Der Hillem öffnet sich. Der Heilig Geist kommt als Taube auf Jesus herab.
Taufe Jesu
Künster: Joachim Patinir, Quelle Wikimedia Commons

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Joh im Jordan taufen.

Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

 





Ausdruck als pdf im A4 Format
Druckversion


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276