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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 5. Sonntag der Osterzeit Lesejahr: B

Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen

Haben Sie schon einmal erlebt, wie elend man sich fühlt, getrennt von jemandem zu leben, ohne den man sich kaum eine Zukunft vorstellen kann? Letzte Woche war ich im Gespräch mit einer Frau, deren Hochzeit ich im ersten Jahr nach meiner Priesterweihe gefeiert habe. Meines Erachtens war sie zusammen mit ihrem Ehemann ein großartiges Ehepaar. Bei ihrer Ehevorbereitung spürte man, wie tief ihre Liebe füreinander war. Aber jetzt droht dieser Ehe die Scheidung. Die Frau will keine Scheidung, weil sie ihren Mann immer noch liebt, trotz der Schwierigkeiten mit ihm zusammenzuleben. Sie kann sich kaum eine Zukunft ohne diesen Mann vorstellen. Aber jetzt ist ihr klar geworden, dass diese Beziehung keine Zukunft mehr hat. Denn ihr Mann hat sich entschlossen, sich von ihr scheiden zu lassen. Das ist für sie eine schwere Zeit voller schlafloser Nächte und Hoffnungslosigkeit. Ich bete für sie in dieser Heiligen Messe. Sehen Sie, wie viel wir verlieren, wenn wir von jemandem getrennt werden, mit dem wir uns stark verbunden fühlen!

Vielleicht haben Sie in Ihrem Leben jemanden, ohne den Sie sich eine Zukunft kaum vorstellen können. Was wäre jetzt, wenn diese Beziehung von einer Trennung bedroht wäre? Wenn wir uns in einer liebevollen Beziehung befinden, in der wir wechselseitige Anerkennung und Liebe erleben, sind wir dadurch befähigt, eine wunderbare Frucht der Liebe zu erbringen. Solche Beziehungen wollen wir nicht einfach aufgeben. Daher pflegen wir solche Beziehungen. Es gibt auch viele Dinge, die uns so bedeutsam sind, dass wir denken, ohne sie könnten wir gar nicht glücklich sein. Wir schätzen sie sehr und sorgen dafür, dass sie für uns dableiben.

Es gibt aber eine Beziehung, die viel bedeutsamer ist, als alle anderen Beziehungen und alle Dinge. Im heutigen Evangelium spricht Jesus von dieser Beziehung: die Beziehung mit Ihm. Am letzten Sonntag hat Er sich uns als der gute Hirt vorgestellt, der uns, seine Schafe, weidet. Im heutigen Evangelium beschreibt Er sich als der wahre Weinstock, an dem wir als Reben bleiben sollen, um überhaupt Frucht zu bringen. Wie eine Rebe nicht am Leben bleiben kann, ohne am Weinstock zu bleiben, können wir keine Frucht des Glaubens bringen, ohne in Christus verankert zu sein. Er beschreibt zwei Lebensweisen: 1.) in Jesus Christus zu bleiben und 2.) getrennt von Ihm zu leben. „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. … getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“, so Jesus. Den Unterschied zwischen diesen beiden erkennen wir an der Frucht, die wir bringen.

Frucht! Frucht des Glaubens! Frucht der Liebe! Die Frucht, die von uns als Christen erwartet wird! Diese Frucht können wir nicht erbringen, ohne in Jesus zu bleiben. Wenn ich nicht mehr lieben kann, wenn ich dem anderen seine Schuld nicht mehr vergeben kann, wenn ich nur noch Rache will, wenn ich mich nicht mehr traue, für meinen Glauben zu sprechen, wenn in mir keine Freude mehr zu spüren ist, wenn es mir an Hoffnung mangelt und ich den Mut verliere, das Gute anzustreben, wenn ich das Gebet als unnötig ansehe und ich in mir keine Lust mehr für die Frucht des Glaubens verspüre, muss ich mir die Frage stellen: „Wo dann ist Jesus in meinem Leben?“

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht denken wir, ich könne doch vieles tun ohne Jesus. Wenn wir so denken, haben wir Recht. Natürlich sind wir es gewohnt, vieles ohne Jesus zu tun. Wir treffen unsere Entscheidungen, wir leben vielfach ohne Ihn. Ich muss es auch für mich ehrlich zugeben. Ich erlebe aber immer wieder, wie anders es in meinem Leben geht, wenn ich Jesus einbeziehe in das, was ich tue, was ich erlebe, was ich erleide. Wenn ich Ihn in meine Entscheidung einbeziehe, wenn ich mit Ihm über meinen Tag spreche, wenn ich Ihm meine Sorgen gebe, wenn ich Ihn in meinen Plan einbeziehe, als der Ursprung der Kraft, die in meinem Leben alles Notwendige ermöglicht, erlebe ich, was Er damit meint, dass wir Frucht bringen, wenn wir in Ihm bleiben. Denn es wird mir dann klar, wie viel besser es mir geht. Daher bin ich davon überzeugt, dass ohne Ihn uns die Kraft fehlen würde, die wir brauchen. Ohne Ihn würden wir den Weg verlieren.

Gerade in dieser Krisenzeit sprechen wir viel über die Schwierigkeiten, die uns die Corona-Krise gebracht hat. Aber das Problem ist, dass manche von uns darüber nur miteinander sprechen und auch darüber argumentieren. Nicht nur Länder, sondern auch Familien, sind in Verwirrung geraten durch solches Argumentieren und solche Widerreden. Manche leugnen, dass es wirklich dieses Virus gibt, auch wenn doch viele Menschen daran schon verstorben sind. Manche glauben so fanatisch an die Übermacht des Virus, dass sie die Furcht davor im Griff hält. Was wäre, wenn wir Jesus in unsere Gedanken über diese Krise miteinbeziehen? Er würde uns immer sagen, bleibt in mir und ich in Euch, dann werdet ihr sehen, dass ich die Welt überwunden habe! Lasst uns nicht nur miteinander über diese Krise reden, argumentieren, streiten und widerreden. Lasst uns Ihn in all das miteinbeziehen, was wir erleben und erleiden. Seine Gnade wird uns genügen!



Evangelium vom 5. Sonntag der Osterzeit im Lesejahr :

Die Zweite Abschiedsrede. Die Einheit mit und in Jesus.

Joh 15,1-8

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.

Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.

Ein Weinstock mit Trauben und Ästen, von denen Triebe abgeschnitten wurden.
Ein gepflegter Weinstock bringt viele Früchte.

Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.

Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.

Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276