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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag Lesejahr: B

Gott ist Gemeinschaft und geht mit uns und mit aller Schöpfung eine Gemeinschaft ein

Liebe Gemeinde, wir feiern heute das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Dieses Fest deutet darauf hin, dass Gott, an den wir Christen glauben, der Dreieine Gott ist. Das bedeutet, obwohl Er sich uns als Gott den Vater (den Schöpfer Gott), als Gott den Sohn (unseren Erlöser) und als Gott den Heiligen Geist (unseren Beistand) offenbart hat, ist und bleibt Er trotzdem immer der Eine Gott. Wir nennen dies die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit oder auch Trinität. Ja, dass Gott Dreieinig ist, ist sicher ein Geheimnis, weil wir deren Bedeutung nicht völlig begreifen können. Das heißt aber nicht, dass Gott uns Menschen ganz und gar paradox oder fern ist.

Geheimnis in diesem Sinne bedeutet, „das, was alles trägt, umfängt und bewegt, aber nicht völlig begriffen werden kann.“ Wir Menschen können die Trinität nicht völlig begreifen. Denn, wenn wir Gott völlig begreifen könnten, wäre Er nicht mehr Gott und seine Dreieinigkeit wäre uns nicht mehr ein Geheimnis. Trotzdem ist Gott uns nahe und umgreifend. Er ist der, der mit seiner Schöpfung eine radikale Gemeinschaft eingeht und die Menschen zur Gemeinschaft mit sich und untereinander zusammenführen will.

Die Trinitätslehre ist keine Spekulation und keine negative Theologie, sondern, wie Papst Benedikt XVI. es ausdrückt: „sie hat sich aus dem Mühen um eine Verarbeitung geschichtlicher Erfahrungen [der Menschen mit Gott] ergeben.“ Im Alten Testament lernen wir den Gott kennen, dem die Menschen als der Vater Israels, als der Vater der Völker, als der Schöpfer der Welt und ihr Herr begegneten. Gott als Vater zu wissen, entstand deswegen nicht aus reiner menschlicher Spekulation, sondern aus konkreten geschichtlichen Erfahrungen der Menschen.

 

In Jesus Christus trifft man einen Menschen, der sich zugleich als Sohn Gottes weiß und bekennt, einen Menschen, der Gott als seinen Vater weiß und bekennt und zugleich seine Gleichheit und Einheit mit ihm (dem Vater) offenbart. „Ich und der Vater sind eins“, sagt er (Joh 10,30). „Wer den Sohn kennt, kennt auch den Vater.“ Dieser Jesus Christus ist selbst die wirkliche, uns begegnende Nähe Gottes, der Gott mit uns. Er selbst ist kein anderer als Gott. In Ihm (Jesus) begegnet uns Gott, aber nicht als Vater, sondern als Sohn und unser Bruder.

Es folgt schließlich das Widerfahrnis des Geistes, der Anwesenheit Gottes in uns, in unserer Innerlichkeit. Im Heiligen Geist erleben wir Gott, der in uns wohnt und der uns von innen her bewegt.

Eine hohe Theologie? Ja, aber nicht negativ, sondern etwas, das aus menschlicher Erfahrung entstanden ist. Was bedeutet die Dreieinigkeit Gottes für uns Christen, die im 21. Jahrhundert leben? Das Gottesbild, das wir durch die Trinitätslehre kennenlernen, zeigt uns, dass der Gott unseres Glaubens nicht einfach ein außerirdisches, geistig-unsichtbares Wesen ist, das irgendwo in den Tiefen des Weltalls oder jenseits der Grenzen unseres Kosmos wohnt, dass Er nicht einfach der Garant der Sittlichkeit und Moralität oder nur eine Art oberster Weltbaumeister ist, dass Er nicht bloß die letzte Tiefendimension der Wirklichkeit, sowohl unserer Seele als auch der ganzen Welt ist, dass Er nicht gleichbedeutend ist mit der Utopie einer von aller Unterdrückung und allem Unfrieden befreiten Welt oder mit der höchsten Spitze in der Pyramide des Seins, die höchste Ursache, der Erste unbewegte Beweger, wie die Menschen unterschiedlicher Überzeugungen behaupten; sondern Er ist zugleich unser Schöpfer und der Gott-mit-uns, der Gott, der uns auch als unser Vater begegnet und als bekräftigender Geist bewegt und zum Ziel unseres Lebens führt.

Dieses Gottesbild verwandelt nicht nur unsere Vorstellung von Gott, sondern es durchdringt auch unser christliches Bewusstsein und dreht unser Selbstverständnis und unser Verständnis der Welt um.

Gott, der sich uns als Gott der Vater und Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist offenbart hat, ist uns in seiner Dreifaltigkeit nicht nur ein Vorbild der Gemeinschaft, sondern Er geht auch mit uns und mit aller Schöpfung eine radikale Gemeinschaft ein und bewegt uns zur Gemeinschaft untereinander und mit der Schöpfung. Und je bewusster es uns wird, dass wir in dieser Gemeinschaft getragen sind, umso bedeutsamer werden uns viele Dinge, die wir als Christen tun. Nur dann können wir solche Dinge mit tiefer Überzeugung tun.

Zum Beispiel, wenn wir das Gebet mit „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ beginnen, tun wir das mit Überzeugung, weil uns bewusst geworden ist, dass wir in dieser Gemeinschaft unseren Halt und unseren Sinn gefunden haben und finden. Es wird uns umso bewusster, dass wir Menschen als Abbild Gottes nicht als in sich eingeschlossene Individualisten leben dürfen, sondern eine Gemeinschaft untereinander aufbauen sollen, je mehr wir dem Dreieinigen Gott unser Herz geben. Auch die Überzeugung, dass wir nicht allein sind, und auch unser Verantwortungsbewusstsein füreinander und für die Schöpfung, wird ebenfalls in uns stärker. All das, liebe Schwestern und Brüder, schenkt unserem christlichen Leben einen tieferen Sinn und eine größere Bedeutung, als es hätte, wenn wir dieses Gottesbild nicht kennen würden.



Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag im Lesejahr :

Der Missionsbefehl

Mt 28,16-20

In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

Josef sitzt schlafend auf einem Stuhl. Ein Engel steht hinter ihm und zeigt ein eine andere Richtung.
Die Aussendung der Apostel
James Jacques Joseph Tissot

Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276