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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Gottes Ruf

Die Lesungen von heute stellen Szenarien dar, wie Gott aus seiner Liebe Menschen zu unterschiedlichen Missionen ruft und sendet. Bei der ersten Lesung geht es um die Berufung des Amos. Er war ein Viehzüchter, kein Prophet und kein Prophetenschüler. Aber Gott hat ihn gerufen und nach Bet-El gesandt, um dort zu prophezeien. Das Evangelium berichtet über die Zwölf, die Jesus zu Aposteln berufen hatte. Sie wurden von Jesus zu zweit ausgesandt, um dem Volk verschiedene Arten von Heilung zu bringen. Ähnlich ist in den beiden Berichten die Art und Weise der Berufung.

Die Art und Weise der Berufung: Wie gesagt, Amos war ein Viehzüchter. Ohne die innere beschwörende Stimme Gottes wäre Amos nicht zu der Entscheidung gekommen, in Bet-El zu prophezeien. Denn es gibt nichts, was einen Viehzüchter mit der Mission der Prophezeiung hätte verbinden können. Wir kennen auch die Geschichte der Berufung der zwölf Apostel. Einige von ihnen waren Fischer, einige Steuereintreiber und einige andere nur einfache Menschen. Sie wurden von Jesus gerufen, weil er nicht nur das Physische, sondern auch das Herz des Menschen sieht. Er macht die Schwachen stark und verwandelt unsere Schwäche in Stärke. Also, wer wir sind, und was für eine Aufgabe uns eher interessiert, begrenzen nicht Gottes Berufung. Maria, die Muttergottes, hatte nicht daran gedacht, Muttergottes zu werden. Aber Gott hat sie dazu berufen. Paulus war der Hauptgegner des Christentums, aber Jesus hat ihn zu einem starken Apostel des christlichen Glaubens berufen. Einige von uns mögen das Privileg haben, wie Amos und die zwölf Apostel, Gottes Ruf auf außergewöhnliche Weise zu bekommen. Andere hören ihn auf eine andere Weise. Wichtig aber ist: Der Umstand der Berufung jedes Menschen ist einzigartig. Gott benutzt relevante Umstände, um unsere Aufmerksamkeit auf die Mission zu lenken, für die er uns ausgewählt hat.

Meine Berufungsgeschichte: Wenn ich an den Umstand meiner Berufung denke, wundere ich mich, wie Gott uns sogar durch eine Lebenskrise berufen kann. Dreimal erhielt ich bei der Aufnahmeprüfung der Universität die Note „Nicht bestanden“. Es war für mich sehr frustrierend. Durch diese Situation geriet mein Leben in eine tiefe Verzweiflung. Diese Erfahrung und die Vorstellung, diese Prüfung dreimal in drei Jahren wiederholen zu müssen, war so frustrierend, dass ich es nicht länger ertragen konnte. Das führte mich zum Gebet. Ich betete inständig zu Gott, er möge mir die Richtung meines Lebens zeigen. Am 11. Dezember 1997 war ich wieder im Gebet, als ich plötzlich in Trance fiel.

In dieser Trance kam ich zu einer Kreuzung, wo ich versuchte, nach rechts zu gehen, aber jemand versperrte mir den Weg mit einem Schwert. Er sagte mir, dass diese Straße nicht der richtige Weg zu meinem Ziel sei. Nachdem er mir den Zugang mehrmals verweigert hatte, fragte ich ihn, wie ich dann mein Ziel finden könne? Er wies mich nach links. Als ich mich umdrehte, sah ich jemanden mit priesterlichen Gewändern in verschiedenen Farben. Er forderte mich auf, ihm zu folgen. Das Erlebnis schenkte mir eine überzeugende Klarheit über meine Berufung zum Priestertum. Wegen dieser Erfahrung bin ich heute Priester!

Was lerne ich daraus? Aus dieser persönlichen Erfahrung lernte ich, dass Gott uns sogar durch eine frustrierende Situation oder durch einen Misserfolg zu einer neuen Mission rufen kann. Das bedeutet nicht, dass jedes Erlebnis von Frustration oder Misserfolg unbedingt zu einer neuen Mission und Richtungsänderung im Leben führt. Der Kernpunkt ist, dass solch ein Ereignis uns die Möglichkeit einer besonderen Begegnung mit Gott geben kann. Es kann uns zum Gebet führen, in dem wir dann ganz empfänglich für die Stimme Gottes werden können.

Es gibt Menschen, die bei einer Krankheit ihre Berufung entdeckt haben. Ich denke besonders an den heiligen Ignatius von Loyola, der sich erst während einer Krankheit für seine Berufung entscheiden konnte. Während seines Krankenlagers und des damit verbundenen Leidens und der Ungewissheit, kam er mit verschiedener Literatur in Kontakt. Durch das Lesen von religiösen Schriften empfand er langfristigen Trost. Durch diese Erfahrung fühlte er sich zur Nachfolge Christi berufen. Ein anderes Beispiel ist eine Ärztin, die mir in den letzten Jahren erzählte, wie die Krankheit ihres Vaters sie zum Medizinstudium führte. Sie war dann nicht nur Ärztin geworden, sondern auch eine von Gott berufene Ärztin, die in der Unterstützung der Kranken viel Freude findet. 

Liebe Schwestern und Brüder, jeder und jede von uns hat seine / ihre eigene Erfahrung von Situationen, die uns für die Stimme Gottes empfänglicher gemacht hat. Wir können uns auch heute fragen, „Wo in meinem Leben spricht mich Gott an?“ „Zu welcher Aufgabe fordert mich seine Stimme auf?“ Es könnte eine kleine oder eine große Aufgabe sein, als Oma, Opa, Mutter, Vater, Mitarbeiter, usw. Auch in dieser Urlaubszeit können wir in engerer Verbundenheit mit Jesus neue Aufgaben entdecken, zu denen Gott uns beruft. Für Euren und Ihren Urlaub wünsche ich euch und Ihnen gute Erholung und neue Entdeckungen



Evangelium vom 15. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die Aussendung der zwölf Jünger

Mk 6,7-13

In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

Jesus sendet seine Apostel aus!
Maler: Julius Schnorr von Carolsfeld, Aussendung der zwölf Apostel

Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.

Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.

Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.





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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276