Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit Lesejahr: C


An den Himmel denken

Liebe Schwestern und Brüder, vor drei Tagen haben wir das Hochfest „Christi Himmelfahrt“ gefeiert. Nach der Himmelfahrt Jesu sollten die Jünger nicht da stehenbleiben und zum Himmel emporblicken, sondern zurückkehren in die Welt, in die normalen Situationen des Alltags, um dort Zeugnis für das Evangelium abzulegen. Heute heißt es in der Lesung: „Erfüllt vom Heiligen Geist blickte Stephanus zum Himmel empor“. Dieser Blick auf den Himmel wird sehr betont. In dem einen Fall wurde den Jüngern geraten, nicht stehenzubleiben und in den Himmel zu blicken; im anderen Fall lohnte es sich doch, zum Himmel emporzublicken. Ist das ein Widerspruch?

Nein. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass man den Himmel inmitten des täglichen Lebens miteinbeziehen soll. In diesem Sinn versteht man den Himmel nicht als einen Ort, wohin man gehen will und vor den Realitäten des Lebens flieht, sondern als einen Anker, der das Leben des Glaubens hier auf der Erde möglich macht. In der Realität des täglichen Lebens, in unseren konkreten Erfahrungen im Alltag, berühren sich Himmel und Erde.

Im Sinne des Glaubens bedeutet der Himmel weder der blaue Himmel da oben, wo wir die Sonne, die Sterne, die Flugzeuge usw. finden, noch irgendein Ort, wo man dem normalen Leben entfliehen kann. Er bezeichnet die Anwesenheit Gottes. Ein Blick zum Himmel empor bedeutet dann, an diese Anwesenheit Gottes zu denken, die uns hier auf der Erde Halt gibt.

Im Evangelium wird dreimal von der großen Bedeutung des Himmels für das Leben Jesu berichtet. Einmal, bei der Taufe Jesu, öffnete sich der Himmel und der Geist kam auf ihn herab, wie eine Taube, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Mk 1,9-11). Auch bei der Verklärung Jesu hörten die drei Jünger, die dabei waren, eine Stimme, die aus der Wolke erscholl: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe, auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt 17,5).  Das dritte Mal ist bei der Himmelfahrt. In diesen drei Fällen offenbart Gott seine besondere Gemeinschaft mit seinem Sohn und mit dem Heiligen Geist. Diese Gemeinschaft ist Himmel. Sie ist auch der Beweggrund, der hinter dem Leben Jesu und seiner Aufgabe auf der Erde steht, sie bestätigt und trägt. Ob er sich die ganze Nacht ins Gebet zurückzieht oder sich mit den ganz normalen alltäglichen Aktivitäten beschäftigt, begleitet, bestätigt, bekräftigt und ermutigt ihn diese Gemeinschaft.

Und wir, die wir uns hier versammelt haben, was bedeutet Himmel für uns? Himmel ist da zu suchen, wo das Herz des Menschen ganz bei Gott sein darf, dort, wo Gott und Mensch eins werden. Himmel ist Gemeinschaft mit Gott. Und diese Gemeinschaft beginnt schon hier auf der Erde. Gott wohnt in uns und wirkt in unserem Leben.

Es lohnt sich, sich immer an diese Gemeinschaft zu erinnern und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wie Stephanus sollten wir uns darauf verlassen, dass Gott uns sehr nahe ist. Wenn sich die Stimmen unserer Feinde gegen uns erheben und wir nicht wissen, wie wir uns verteidigen sollen; wenn es uns schwer fällt zu vergeben, weil das von anderen verursachte Leid unerträglich erscheint; wenn der Weg unseres Lebens so dunkel wird, dass wir die Orientierung verlieren, dann ist es eine Erinnerung an diese Gemeinschaft, die uns Halt gibt, Vergebung möglich macht, Orientierung und Hoffnung wiederherstellt.

An Gottes Anwesenheit hier bei uns zu denken, kann unser Leben bereichern und ein Stück Himmel hier auf Erden ermöglichen. Wollen wir an den Himmel denken. Gott ist hier mit uns.



Evangelium vom 7. Sonntag der Osterzeit im Lesejahr C:

Das Gebet des scheidenden Jesus

Joh 17,20-26

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.



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Kommentare zu diesen Evangelium:
Sie sollen eins sein, wie wir eins sind; sie sollen vollendet sein in der Einheit, Schott - Messbuch