Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 27. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: A


Gott, der Ursprung unserer Fruchtbarkeit

Im Jahr 1972, also vor 50 Jahren, legte die Deutsche Bischofskonferenz den ersten Sonntag im Oktober als Festtag für Erntedank fest. Die Eucharistie ist immer ein Fest der Danksagung, aber wenn wir die heutige Feier als Dankesmesse bezeichnen, ist sie in besonderer Weise ein Anlass zum Danken. Wir wollen Gott heute danken, für „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit.“

Dabei steht vor allem der Dank für die Erntegaben im Mittelpunkt. Mit diesen geernteten Feldfrüchten, Gemüsen und Getreiden, die vor dem Altar zusammengestellt sind, bringen wir Gott alle Früchte der Erde voller Dankbarkeit dar. Im weiteren Sinne danken wir Gott für alles, was uns Menschen nährt und uns stark und lebendig hält. Das heißt, wir danken nicht nur dafür, dass die Bitte im Vaterunser „Unser tägliches Brot gib uns heute" sozusagen in Erfüllung geht, sondern auch dafür, dass Gott uns für unsere Aufgaben stärkt und fruchtbar macht.

Im Evangelium wird ein bekannter Vorgang aus der Realität landwirtschaftlichen Lebens und Arbeitens aufmerksam beschrieben, der völlig zum Staunen und zur Dankbarkeit anregen kann. Kein Tun des Sämanns kann erklären, warum am Ende das Feld zur Ernte reif dasteht. Während die Saat aufgeht und von selbst wächst, wartet der Sämann. Wenn das Getreide reif ist, ist die Zeit zur Ernte gekommen. Es ist Gott, der das Aufgehen und Wachsen der Saat bis zur reifen Frucht fördert und garantiert. Wir danken daher für die Früchte unserer Arbeit und Unternehmungen und erkennen dabei an, dass es Gott ist, der Fruchtbarkeit schenkt.

Liebe Schwestern und Brüder, es gab und gibt zu allen Zeiten und in den meisten Kulturen und Religionen Feste zum Dank für die eingebrachte Ernte. Aber wenn wir Christen Erntedank feiern, hat das Fest für uns eine weitere Bedeutung in Bezug auf das Reich Gottes. Zum einen verbindet es uns mit Gott und erinnert uns daran, dass unser Leben ohne ihn (ohne Gott) keine Früchte tragen kann. Er ist die Quelle unserer Kraft und Fruchtbarkeit. Und die Bereiche unseres Lebens, in denen die erwartete Frucht ausbleibt, können wir immer zu ihm bringen, im Vertrauen darauf, dass er alles zum guten Ende führen kann. Das Fest verlangt von uns nicht nur Dankbarkeit gegenüber Gott, sondern auch Vertrauen in ihn!

Andererseits verbindet uns das Erntedankfest miteinander. Wir arbeiten nicht allein. Und wir ernten auch nicht nur für uns selbst. Die Ernte bezeichnet immer eine Art von Zusammenarbeit der Menschen miteinander. Was die Landwirte z. B. ernten, landet für uns alle auf dem Markt. Mit dem Ertrag unserer Arbeit können wir uns gegenseitig helfen. Das Fest lädt uns ein, Gerechtigkeit und Nächstenliebe vor Augen zu halten.

Wir denken an diejenigen, deren Ernte nicht reich genug ist, um ihren Hunger zu stillen. Während viele Menschen in Wohlstand und Überfluss leben, leiden viele anderen unter Hunger, manche kommen sogar vor Hunger um. Da sind wir eingeladen, für gerechte Verteilung der Güter zu sorgen. Wir können auch unser eigenes Konsum- und Ernährungsverhalten im Geiste der Nächstenliebe überprüfen. Vielleicht können wir dabei etwas sparen, um jemandem zu helfen, der zu wenig zum Leben hat, der irgendwo hungert.

Das bedeutet, das christliche Erntedankfest geht in einem globalen Bewusstsein auf. Es weckt Gedanken an die globale Solidarität mit Menschen in Not. Darüber hinaus erinnert es uns daran, dass wir Menschen auch für die Erde verantwortlich sind und lädt zur „Sorge für das gemeinsame Haus" (Papst Franziskus) ein. Gott hat es uns Menschen anvertraut!

Liebe Schwestern und Brüder, heute sind wir eingeladen, all diese Anliegen nicht nur ins Gebet zu nehmen, sondern auch darüber nachzudenken, welchen Beitrag wir persönlich dazu leisten können. Dabei vertrauen wir auf Gottes Mitarbeit und bitten um seine Gnade.



Evangelium vom 27. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A: