Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: A


Dankbarkeit geht über Worte und Geschenke hinaus

Es waren zehn Aussätzige, die zu Jesus kamen. Sie wurden alle geheilt, aber nur einer von ihnen kam zu Jesus zurück, um ihm zu danken. „Wo sind die anderen neun?“, fragt Jesus. Nur einer nimmt seine Heilung nicht als selbstverständlich hin. Er will sich bedanken und mehr über den Mann erfahren, der ihn geheilt hat.

Warum fragt Jesus nach den anderen? Zur Zeit Jesu war Aussatz eine ansteckende Infektion, wie Coronainfektion heute. Die Aussätzigen wurden unter Quarantäne gestellt und können erst wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden, wenn sie als frei von der Krankheit bestätigt wurden. Es war die Aufgabe des Priesters, dem Volk die Bestätigung zu geben, dass der Aussätzige wieder gesund war. Das war der Grund, warum Jesus die geheilten Aussätzigen zu den Priestern schickte. Wenn sie mit dem Zeugnis des Priesters zum Volk zurückkehrten, wurden sie offiziell wieder in das Gemeinschaftsleben aufgenommen.

Die Heilung der Aussätzigen war daher ein Prozess. Dies ist erst dann abgeschlossen, wenn die Geheilten in das Gemeinschaftsleben aufgenommen werden. Nur einer der Zehn erlebt eine vollständige Heilung. Denn er wurde nicht nur geheilt, sondern konnte auch wieder in die Gesellschaft zurückkehren. Seine Rückkehr zu Jesus und Dankbarkeit hat das ermöglicht.

Jede Heilung ist ein Prozess von Befreiung und Befähigung. Jesus heilt den Menschen, damit er von allem befreit wird, was ihn an Liebe und Gemeinschaft hindert. Als eine wichtige Antwort darauf ist Dankbarkeit nicht nur ein Wort, sondern auch eine Bereitschaft, diese neue Chance gut zu nutzen.

Dankbarkeit ist mehr als die Antwort auf eine erfahrene Wohltat oder Wohlwollen, mehr als angemessene Höflichkeit. Tief empfundene Dankbarkeit erwächst aus dem Wissen, dass nicht alles, was wir im Leben erhalten, als selbstverständlich angesehen werden kann. Sie führt über unsere Worte der Dankbarkeit hinaus zur Bereitschaft, anderen Gutes zu tun.

Auch die erste Lesung stellt Naaman, einen geheilten Aussätzige, dar. Der kehrte auch zu Propheten Elischa zurück, um sich zu bedanken. Aber der Grund, warum Elischa seine Geschenke der Dankbarkeit nicht angenommen hat, bleibt offen. Vielleicht wird damit betont, dass Dankbarkeit mehr als materielle Geschenke ist.

Liebe Schwestern und Brüder, jedes Mal, wenn wir die Heilige Eucharistie feiern, ist das unsere Danksagung für die Liebe, die wir von Gott erfahren. Es ist vor allem ein Dank für unser Heil, aber auch dafür, dass Gott uns von allem befreit, was uns an Liebe hindert, dass er uns dadurch befähigt, Gutes zu tun. Am Ende der Feier sagt uns der Priester immer: „Geht hin in Frieden.“ Das ist eine Erinnerung daran, dass wir in die Welt gehen müssen, um diese Liebe weiterzugeben. Unsere Danksagung und Dankbarkeit sollte daher nicht mit der Feier der Eucharistie enden. Sie sollte uns in all unseren täglichen Aktivitäten und in Umgang miteinander begleiten.



Evangelium vom 28. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A: