Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 5. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sĂŒndige von jetzt an nicht mehr!

Ein paar Wochen vorher haben wir uns mit einem ähnlichen Thema beschäftigt: „Erlasst einander die Schuld.“ (Lk 6,37). Heute lehrt Jesus uns das gleiche Thema, aber nicht nur im Wort, sondern auch an seinem Beispiel. Jesus sagt zu den Schriftgelehrten und den Pharisäern, die eine Frau zu ihm aufgrund eines Ehebruchs gebracht haben: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ (Joh 8,7). Fragen Sie sich, wie würden Sie es wünschen, wie die anderen mit Ihren Fehlern umgehen? Möchten Sie, dass die anderen Sie verurteilen, ohne dass sie von Ihren genaueren Umständen wissen? Ich glaube nicht. Als Jesus die Pharisäer und die Schriftgelehrten an ihre eigenen Sünden erinnerte, versuchten sie nicht mehr, Steine auf die Frau zu werfen; denn jeder von ihnen trug auch seine eigene Sünde.

Es gibt manchmal raffinierte Hintergründe zum Verurteilen, denen wir uns kaum bewusst sind. Das erste ist das Unsicher-Sein mit uns selbst oder mit unserem Wert. Oft, wenn ein Mensch seine Mitmenschen verurteilt, ist das ein Widerspiegeln seiner Unsicherheit und seines Verlustes von Wert oder Sinn. Des Weiteren ist, dass das Verurteilen aus Neid ausströmen kann. Zum Beispiel, wenn wir neidisch sind auf den beruflichen Erfolg unseres Kollegen, verurteilen wir ihn zu Unrecht, vielleicht zum Schutz unseres Egos. Es könnte auch sein, dass wir zu viel von den Mitmenschen erwarten. Durch solche unrealistischen Erwartungen werden wir ständig enttäuscht und frustriert und dieser Frust schürt die Abwertung der anderen. All diese Punkte zeigen, dass das Verurteilen manchmal unsere eigene innere Unruhe widerspiegelt, statt die Fehler der anderen. Es könnte hilfreich sein, dass wir an unserer Unruhe arbeiten, statt Kritik zu üben an den anderen.

Auch wenn die anderen wirklich Fehler gemacht haben, gibt es drei wichtige Gründe, warum wir sie nicht verurteilen sollen:

  • Wir kennen niemals die Gesamtheit der Umstände der anderen. In den meisten Fällen, in denen wir die anderen verurteilen, wissen wir zu wenig über sie, über ihre jeweilige Lebenssituation, über ihre Ängste und über die wahren Hintergründe ihrer Tat oder ihres Verhaltens. Es gibt also viele Perspektiven der Lebenssituation der anderen und ihrer Taten, von denen wir nichts wissen. Außerdem ist unsere Perspektive der Situation nicht die einzige, die es gibt. Bevor wir die anderen verurteilen, sollten wir versuchen, alle Perspektiven ihrer Situation zur Kenntnis zu nehmen. Es könnte sein, wenn wir alle Perspektiven ihrer Situation zur Kenntnis genommen haben, dass sich unsere Haltung gegenüber ihrem Fehler verändern würde. Vielleicht ist es auch hilfreich, wenn wir daran denken, dass auch wir manchmal, oder sogar oft, zu Unrecht verurteilt werden.
  • Auch wir machen Fehler. Es ist ganz wichtig, dass, bevor wir die anderen verurteilen und über ihre Fehler sprechen, wir daran denken, dass auch wir Sünder sind, dass auch wir Fehler begehen. Es ist auch möglich, dass, wenn wir uns in den Umständen der anderen befänden, wir vielleicht die gleichen Fehler begehen würden.
  • Verurteilen ist ein sicherer Pfad zum Leid. Ein Rezept, das immer misslingt. Es passiert in unserem Kopf, in unserem Körper, in unserem Herzen. Buddha sagt: "An Zorn festzuhalten ist wie Gift zu trinken und erwarten, dass der Andere dadurch stirbt." Das Verurteilen zeigt eine ähnliche Auswirkung. Wenn wir es gewohnt sind, die anderen zu verurteilen, setzen wir uns der zerstörerischen Kraft dieser Gewohnheit aus. Denn, wenn wir in den Gedanken über die Fehler der anderen verhaftet sind und sie nur verurteilen, sind auch wir geistig und psychisch belastet. Manche Menschen leiden sogar unter psychischen und geistigen Problemen, nur, weil sie in solchen Gedanken gefangen sind. Sie brauchen es, den anderen die Schuld zu erlassen, um wirklich heil zu werden. Ich war überrascht zu lesen, dass nachhaltige Unversöhnlichkeit sogar eine Herz-Erkrankung verursachen kann. Wir brauchen es, einander Schuld zu erlassen, nicht nur um Jesus zu gehorchen, sondern auch, um gesund zu bleiben – Gemeint hier sind sowohl körperliche als auch psychische und geistige Gesundheit.

Liebe Brüder und Schwestern, die wahre Veränderung und Verbesserung soll mit uns und in uns beginnen. Wir können viel bewegen in der Welt, wenn wir die anderen weniger verurteilen und ihnen mehr gute Beispiele geben. Auch wenn sie schuldig sind, können wir sie wiedergewinnen und unsere Gesundheit und innere Ruhe behalten, wenn wir ihnen die Schuld erlassen.



Evangelium vom 5. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Jesus und die Ehebrecherin

Johannes 8,1-11

In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.

Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.

Der reumĂŒtige sohn kniet vor seinem Vater. Ein hoher Herr und andere Menschen schauen auf sie.
Lucas Cranach der Ältere
Christus und die Ehebrecherin

Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.

Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht.

Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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