Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 2. Sonntag der Osterzeit

Der auferstandene Herr, seine √§ngstlichen J√ľnger und der zweifelnde Thomas

Nach seiner Auferstehung musste Jesus den Glauben und das Vertrauen seiner Jünger stärken, durch Begegnungen. Ohne diese bestätigenden und bestärkenden Begegnungen wäre der Glaube an seine Auferstehung nicht möglich gewesen für seine Jünger. In der Geschichte dieser Begegnungen, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, ist Jesus zunächst seinen ängstlichen Jüngern erschienen, als Thomas nicht dabei war. Aber später musste der Herr dem zweifelnden Thomas erscheinen.

Stellen wir uns vor, wie Jesus die Angst seiner Jünger und den Zweifel des Thomas behandelt hat. „Friede sei mit euch!“, hat er ihnen gesagt. Man könnte denken, dass Jesus sich über die Angst der Jünger, über die Verleugnung des Petrus, oder über den Zweifel von Thomas ärgert. Aber Jesus war nicht ärgerlich über ihre Fehler und ihren Unmut. Er verstand ihre Schwäche und wollte sie nur stärken und ihnen Mut machen. Seine Botschaft war bestätigend, friedenstiftend und mutmachend. Den ängstlichen Jüngern hat er den Frieden gegeben und Mut gemacht. Thomas hat er zusätzlich den Glauben geschenkt. Thomas konnte dann bekennen: „Mein Herr und mein Gott!“

All dies zeigt uns eine Seite der Barmherzigkeit Gottes. Sie zeigt uns, dass unsere Schwäche die Barmherzigkeit Gottes anzieht. Gott interessiert sich für jeden von uns, für unser Wachstum und für unsere Vollendung. Er trifft uns aber da an, wo wir sind, und dann führt er uns zu einer höheren Station - wenn wir wollen. Aus Liebe führt er uns von einem Zustand der Schwachheit zu einem der Stärke, von einem der Sünde zu einem der Heiligkeit, von einem des Zweifels zu einem des starken Glaubens, von einem der Angst zu einem des Muts.

Der auferstandene Herr ist auch heute mit uns. Er kennt gut unsere Schwäche, unseren Unmut, unseren Zweifel. Er versteht, wieviel wir uns jeden Tag bemühen und wie oft wir scheitern. „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20b), so verspricht er uns seine immerwährende Gegenwart. Er ist also bei uns, auch in den schlimmsten Situationen des Lebens:

  • Wenn unser Leben durcheinander ist, dann ist Jesus da, und schenkt uns seinen Frieden.
  • Wenn der Arzt uns eine schlimme Diagnose sagen muss und Angst nach unserem Herzen greift, dann ist Jesus da und sagt uns seinen Frieden zu.
  • Wenn die wichtigste Beziehung unseres Lebens zu scheitern droht oder sogar gescheitert ist und wir voll Trauer sind, dann ist er immer da, um uns zu ermutigen.
  • Wenn der Chef uns den Brief mit der Entlassung gibt, weil für uns keine Arbeit mehr da ist und Verzweiflung und Verbitterung in uns aufsteigt, dann ist Jesus da und sagt uns voll Liebe zu: Meinen Frieden gebe ich Dir.
  • Wenn wir wegen der Unzuverlässigkeit der anderen, an der Wichtigkeit unserer Familie oder sogar an der Kirche verzweifeln, sagt er uns, ich bin immer noch da in der Kirche, in meiner Kirche.
  • Und wenn Einsamkeit uns umgibt und nur die Wände unseres Zimmers uns anstarren und tiefe Trauer nach uns greift, dann ist er, dieser Herr, da und spricht uns seinen Frieden zu.
  • Wenn wir uns getroffen fühlen und meinen, es geht nicht mehr weiter; wenn wir verzweifelt und traurig sind, und denken, alle mögen uns nicht; wenn wir vor Sorgen nicht schlafen können; wenn wir mit unserem Kummer nicht alleine fertig werden; wenn wir uns nach Liebe sehnen; wenn keiner uns zuhört; wenn wir erschöpft sind, dann ist der auferstandene Herr immer da, und sagt uns: „Friede sei mit euch!“

Lasst uns ihm unser Gesicht zuwenden und seinen Frieden voll Vertrauen annehmen!



Evangelium vom 2. Sonntag der Osterzeit im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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