Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 22. Sonntag im Jahreskreis C

Ihr seid zum Berg Zion hingetreten

„Brüder und Schwestern, Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hingetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind, zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden. Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung …“ so beginnt die heutige zweite Lesung. Jedes Mal, wenn wir zum Gottesdienst kommen, besonders, wenn wir zur Heiligen Messe kommen, sollen wir diese Worte im Herzen tragen, dass wir nicht zu einer sichtbaren Veranstaltung, sondern zu einer festlichen Versammlung hingetreten sind, wo Gott der Gastgeber ist. Die Heilige Messe ist nicht irgendeine Veranstaltung. Sie ist ein Fest, zu dem Jesus uns einlädt, um teilzuhaben an der Frucht seiner Opfergabe. Vielmehr geschieht Unsichtbares bei diesem Fest. Das Heil, das wir dadurch erhalten, die Gnade, die uns zuteil wird, die Heilung, die in uns bewirkt wird, all dies geschieht unsichtbar. Und nur diejenigen, die die Anwesenheit Gottes in der Kirche oder unter den Gläubigen nicht als etwas oberflächliches ansehen, können wirklich an diesem Fest teilnehmen.

Immer wenn ich im Evangelium lese, entdecke ich zu meinem großen Erstaunen, dass es sogar zur Zeit Jesu viele Menschen gab, die sich um Jesus versammelten, ohne von seiner Kraft berührt zu werden. Wir kennen zum Beispiel die Geschichte von der Frau, die unter Blutungen litt. Diese Frau wurde von Jesus geheilt, indem sie mit großem Glauben sein Gewand berührte. In dem Augenblick, als sie das Gewand berührte, geschah die erwartete Heilung. Im gleichen Augenblick wandte Jesus sich um, und fragte, wer ihn berührt habe. Denn er hatte gespürt, dass diese Berührung Kraft von ihm genommen hatte. Wo liegt der Unterschied zwischen dieser Frau und all den anderen Leuten, die Jesus umgaben und die ihn ebenfalls berührten? - Die Frau berührte Jesus mit Glauben, so dass sie dadurch geheilt wurde. Sie glaubte, dass Jesus ihre Krankheit heilen konnte. Die anderen aber sind nur bei Jesus, um 'Spaß' zu haben. Sie sind zu Jesus gekommen, ohne eine Erwartung an ihn zu haben. Diese Art von Geschichte finden wir fast auf jeder Seite der Heiligen Schrift, besonders im Evangelium.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir zum Gottesdienst kommen, wenn wir zur Heiligen Messe kommen, und daran glauben, dass wir Jesus Christus in Wirklichkeit begegnen, wenn wir an ihn eine große Erwartung haben, und wenn wir davon fest überzeugt sind, dass er unsere Erwartung erfüllen kann, dann gehen wir nicht enttäuscht nach Hause. Gott ist Gott. Er wirkt im Leben aller, die ihm einen festen Platz geben. Jesus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Auch heute ist er wirklich hier bei uns, um uns seine Liebe zu zeigen, um uns seinen Segen zu gewähren, um uns seine Kraft zu geben, damit wir weitergehen können.

Wissen Sie, es geschieht in unserem Leben, was wir glauben. Wir ziehen das auf uns, was wir wollen und glauben. Wenn wir glauben, dass Gott wirklich da ist, dann können wir seine Kraft und Gegenwart erleben. Es ist unglaublich, wie unser Glaube unser Leben prägt. Ich wage es zu sagen, dass wir oft Spuren der Gegenwart Gottes in unserem Leben nicht erkennen wegen unseres Unglaubens. Ich meine damit nicht, dass wir grundsätzlich nicht an Gott oder an Jesus glauben. Denn, wenn wir an Jesus nicht glaubten, wären wir auch nicht zu ihm gekommen. Ich meine nur, dass manche von uns nicht glauben können, dass Jesus in Wirklichkeit da ist. Sie glauben nicht, Jesus berühren zu können. Sie denken, Jesus ist zu fern, als dass man ihm wirklich begegnen kann. Aber das ist nicht die Wahrheit. Er ist hier. Er ist mit uns. Er ist lebendig und wirkt immer noch in unserem Leben. Lasst uns zu ihm die Augen des Glaubens öffnen. Lasst uns ihm voller Glauben entgegengehen.    



Evangelium vom 22. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde BlindenfĂŒhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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