Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 23. Sonntag im Jahreskreis C

Weisheit und die wahre Freiheit

„Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? … Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen Heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?“ Diese Frage stellt das Hauptthema der heutigen ersten Lesung dar: Das Erkennen des Willens Gottes gelingt niemandem, außer denjenigen, denen Gott die Gabe des Heiligen Geistes – also, die Gabe der Weisheit – gegeben hat. Wie wir wissen, Weisheit ist eine der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Diese Gabe ist „die Gnade, alles mit den Augen Gottes sehen zu können. Sie ist einfach das: die Welt, die Situationen, die Zusammenhänge, die Probleme, alles mit den Augen Gottes zu sehen“, so beschrieb Papst Franziskus die Weisheit. (Generalaudienz am 09.04.2014) Der Begriff „Weisheit“ in der Heiligen Schrift erinnert einen an den König Salomo, der von Gott die Gabe der Weisheit bekam, weil er als König nicht um materiellen Besitz und eigene Bereicherung gebeten hat, sondern um die Weisheit. „Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?" (1 Kön 3,9), war sein Beten.

Wer diese Gabe empfängt, der erkennt und erfährt die wahre Freiheit, von der die zweite Lesung und das Evangelium sprechen: nicht mehr vom Egoismus, von den eigenen Wünschen, von den eigenen Gedanken, von den Wünschen der eigenen Familie oder des Bekanntenkreises beschränkt werden. Jesus nennt das im heutigen Evangelium 'das Kreuz zu tragen' und ihm (Jesus) täglich nachzufolgen. Ja, es ist 'ein Kreuz tragen', weil das Aufopfern des eigenen Wunsches nicht selbstverständlich geschieht. Man muss ja fest in Gott verankert sein und über die Kraft des Heiligen Geistes verfügen (die Gabe der Weisheit), bevor einem das möglich ist. Doch wer die Gabe der Weisheit hat – gemeint ist nicht die menschliche Weisheit, sondern die Gabe des Heiligen Geistes – der kann alles mit den Augen Gottes sehen. Natürlich gibt es vieles, das wir durch menschliche Weisheit tun können. Damit rechnen wir zum Beispiel, ob unsere Mittel ausreichend sind für ein Projekt, das wir im Leben durchführen wollen. Aber die Nachfolge Jesu ist ein Lebensprojekt; allein reicht die menschliche Weisheit dafür nicht aus, um dieses Projekt durchzuführen. Denn das Erkennen des Willens Gottes kann die menschliche Weisheit nicht. Es wird geschehen, nicht, wie wir es wollen, sondern, wie Gott es will. Es wäre dann die wahre Freiheit, zuzulassen, dass Gott uns leitet.

Wenn wir unterscheiden können, zwischen den Dingen, die wir nicht ändern können, und den Dingen, die wir ändern können, und, wenn wir die Gelassenheit haben, das Erstere hinzunehmen, und den Mut, das Letztere zu ändern, dann besitzen wir wahre Freiheit. Genau das geschieht, wenn wir alles mit den Augen Gottes sehen können. Wir haben ein gutes Beispiel in der zweiten Lesung. Der Heilige Paulus, der im Gefängnis war, versuchte nicht seine äußerliche Freiheit zu gewinnen; denn er wusste, dass er im Gefängnis war um des Evangeliums willen. Doch er versuchte von dort aus noch Gutes zu tun, insofern er das noch konnte. Deswegen sein Brief an Philemon um die Befreiung des Onesimus. Also, obwohl Paulus im Gefängnis war, bat er – statt um seine eigene Befreiung – um die Befreiung eines anderen.

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen oft, dass in unserem Leben alles so geschieht, wie wir es uns vorstellen. Aber früher oder später finden wir heraus, dass das, was wir wollen, die erwartete Erfüllung nicht bringt. Das, was aus unserem Willen kommt, kann auch Auswirkungen haben, die wir gar nicht möchten. Weil wir alle Auswirkungen einer Entscheidung nicht endgültig erkennen können, ist es die weiseste Entscheidung, mit den Augen Gottes alles anzuschauen. Wir bitten darum, dass wir dazu die Gabe der Weisheit bekommen.



Evangelium vom 23. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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