Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 26. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Es war einmal ein reicher Mann

Liebe Brüder und Schwestern, unsere Zeit geht schnell vorbei. Auch die Gelegenheiten, die uns im Leben geschenkt werden, gehen schnell vorbei. Wir bedauern es immer sehr, wenn wir zurückschauen und sehen, wie viel Zeit und Gelegenheiten wir ungenutzt vorübergehen ließen. Oft bereuen wir so vieles, was wir an Gutem in der Vergangenheit nicht getan oder auch unterlassen haben, also die verpassten Gelegenheiten. Im Evangelium erzählt Jesus von einem reichen Mann, der die Gelegenheiten, die ihm gegeben wurden, ungenutzt vorübergehen lässt. „Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte“, so beginnt die Geschichte. Dieser Mann war einmal reich; er hätte dem armen Mann Lazarus helfen können, hat das aber nicht getan. Im Laufe der Zeit ging diese Gelegenheit vorbei. Leider wurde ihm diese verlorene Gelegenheit erst nach seinem Tode bewusst. Dann war es aber zu spät. Er konnte nichts mehr tun, um die verlorene Gelegenheit zurückzuholen und wieder gutzumachen.

Vielleicht will Jesus uns mit dieser Geschichte etwas über die Hölle sagen, wie manche vermuten. Aber der Kern in seiner Geschichte ist, uns bewusst zu machen, wie schlimm es sein kann, dem Hier und Jetzt unseres Lebens keine Aufmerksamkeit zu schenken. Seine Erzählung lässt erkennen, wie groß der Verlust ist, mit dem wir rechnen können, wenn wir die uns angebotenen Gelegenheiten des ‚Hier und Jetzt‘ des Lebens ungenutzt vorübergehen lassen. Somit entspricht die Geschichte einem Spruch, der da lautet: „Eine Gelegenheit bietet sich nur einmal“. Die Frage ist, welche Gelegenheiten habe ich hier und jetzt, etwas Gutes zu wirken? Also, wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, was würde ich tun? Gibt es etwas, was ich bereuen würde, weil ich es nicht getan habe? Daran in diesem Augenblick zu denken, und eine Entscheidung dafür zu treffen, wäre wunderbar.

Liebe Brüder und Schwestern, Hier und Jetzt – also, die Gegenwart – ist das größte Geschenk, das uns die Zeit liefert. Was wir im Hier und Jetzt des Lebens tun, ist das Entscheidende, das unser Leben voranbringt – nicht unsere gewünschte Zukunft oder die bereute Vergangenheit. Wir können nur in der Gegenwart wirken. Das bedeutet, auch, wenn ich meine verpassten Gelegenheiten bereue, oder auf meine erhoffte Zukunft fixiert bin, nützt das nichts, außer, wenn ich mich im Augenblick mit dem beschäftige, was ich dazu hier und jetzt noch tun kann. Alles Gute, das wir wirken können, tun wir nur in der Gegenwart. Das bedeutet dann, dass, je tiefer unsere Wahrnehmung der Gegenwart ist, desto tiefer wird die Gegenwart unser Leben prägen. Nur wenn wir bewusst der Gegenwart unsere Aufmerksamkeit schenken, können wir das wahrnehmen, was wir hier und jetzt als notwendig erachten. Außerdem können wir nur so die Nöte der anderen wahrnehmen.

Ich frage mich schon, wenn in der Zukunft diese Gemeinde die Gelegenheit hätte zu erzählen, „Es war einmal ein Priester in unserer Gemeinde, der aus Nigeria kam, der hieß Ezekiel Oko“, was wären die Worte, mit denen man mich beschreiben würde? Und Sie? Was sagte Ihre Familie, was wäre die Erzählung Ihrer ArbeitskollegInnen über Sie? Welche Gelegenheiten haben wir hier und jetzt etwas Gutes zu wirken – in unserer Familie, in der Gemeinde, an unserem Arbeitsplatz, in der Gesellschaft, im Leben der anderen? Welche Gelegenheit lasse ich jetzt ungenutzt vorübergehen?

Liebe Brüder und Schwestern, „Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei“, wie wir eben in der heutigen ersten Lesung gehört haben. Wie schön wäre es dann, wenn wir das ernst nehmen würden, was uns die zweite Lesung befiehlt: „Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel, bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn“. Möge der Herr uns die Gnade schenken, damit wir diese Lehre verstehen und alle gegenwärtigen Gelegenheiten nutzen, etwas Gutes zu wirken. Amen.    



Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus

Lukas 16,19-31

Hunde lecken die Geschw√ľre des Lazarus. Die Reichen sitzen am Tisch und lassen neue Mahlzeitenzeiten zubereiten.
Vom reichen Mann und vom armen Lazarus
Fr√ľchteteppich 2017 Sargenzell

In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.

Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.

In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.

Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.

Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.

Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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