Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 29. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stÀrker

In unserer Zeit wird es in der Kirche immer schwieriger, die Funktion zu erklären, die den Priester ausmacht. Man spricht heute mehr von der Abschaffung der Besonderheit der priesterlichen Aufgaben. Manche wollen die Besonderheit der priesterlichen Aufgaben nicht mehr anerkennen. Es sei ein veralteter Gedanke, dass die Priester zu einer besonderen Aufgabe in der Kirche berufen seien, meinen die einen. Dazu entstehen zur Zeit häufig viele Fragen, wie z.B.: Warum soll die Kirche den Zölibat der Priester nicht abschaffen? Auch fragen sich manche, ob wir überhaupt noch die Priester brauchen? Diese Situation und diese Fragen sind für mich ein Zeichen, dass viele von uns die Aufgabe des Priesters aus den Augen verloren haben. Im Hintergrund dieser Situation spürt man eine Art von Identitätskrise, die auch die Priester betrifft. Jede Berufung hat ihre Besonderheit, die ihre Identität ausmacht. Wenn die Berufenen die Besonderheit ihrer Berufung nicht mehr wahrnehmen wollen, oder wenn die anderen diese Eigenheit der Berufung nicht anerkennen, wird das für die Berufung katastrophal. Die Frage ist, was macht den Priester aus? Wir erkennen zwei der Eigenheiten der Priesterberufung in den heutigen Lesungen:

1. Das Volk in seinen alltäglichen Herausforderungen zu begleiten, mit dem ununterbrochenen Gebet. „Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker“, heißt es in der ersten Lesung. Also, unsere Priester sollen diejenigen sein, die für uns alle ihre Hände im Gebet erheben, und zwar unaufhörlich, damit wir stärker werden. Auf dem Berg des Gebetes sollen die Priester sein und bleiben - für ihr Volk. Sie sollen durch ihr unaufhörliches Gebet die Tür des Himmels für ihr Volk offen halten. Es ist klar, im Gebet soll jeder Christ und jede Christin bleiben, und zwar ständig. Aber die Priester sind besonders berufen, die Anliegen des Volkes Gottes zu Gott zu bringen. Ihre Hände sollen im Gebet für die anderen erhoben werden.

2. Es ist auch die besondere Aufgabe des Priesters, das Wort Gottes dem Volk zu verkünden, wie der Hl. Paulus an Timotheus in der zweiten Lesung schreibt: „Verkünde das Wort Gottes, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.“ Die Priester verkünden das Wort Gottes und spenden die Sakramente, aber es gibt noch viele andere Weisen: Dazu gehört auch, den Segen Gottes dem Volk Gottes zu spenden und ihm zuzusprechen.

Dazu möchte ich noch den priesterlichen Dienst der Beichte erwähnen. Der Priester ist auch ein Plädoyer für die Beichte. Manche von uns fragen: Weshalb soll ich meine Sünden in der Beichte dem Priester sagen? - Weshalb soll ich zur Beichte gehen? Ich kann das direkt mit Gott ausmachen. Liebe Brüder und Schwestern, wissen Sie, die Versöhnung hat ekklesiologischen Charakter und der Priester ist hier einfach das unspektakuläre Werkzeug. Im 1. Kor 12,26-27 heißt es: „Wenn ein Glied leidet, leiden auch alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. Ihr seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ Das heißt, meine Sünde schadet nicht nur meiner Beziehung mit Gott, sondern auch der mit dem ganzen Leib Christi – der Kirche. Was in der Beichte zwischen dem Priester und dem Sünder geschieht, ist dann eine ekklesiologische Versöhnung. Das Glied des Leibes Christi, das unter der Sünde leidet, wird wieder mit der Kirche und mit Christus versöhnt.

Diese besonderen Aufgaben, weswegen der Priester angefragt werden sollte, machen den Priester aus. Aber, wenn die Priester diese Eigenheiten ihrer Berufung aus den Augen verlieren, dann sind sie in eine Identitätskrise geraten. Sie können oft ihre Berufung als nichts Besonderes mehr ansehen, sie versuchen, irgendeine Aufgabe zu übernehmen. Manche sind sogar zu Sozialwerkern geworden. Ja, die Priester sollen den Menschen in ihren Nöten beistehen, aber das, was zu ihrer Berufung unentbehrlich (ureigenst) dazugehört, ist, ihnen zu helfen, ihren Sinn in Gott zu finden, ihr Heil anzunehmen. Alle anderen Aufgaben, die die Priester übernehmen, sollen nur Ergänzungen sein. Solche Ergänzungen sind wichtig, insofern sie das Gelingen der Hauptaufgabe unterstützen.

Liebe Brüder und Schwestern, vielleicht fragen Sie sich: Warum predigt er hier über die Priester?  Ja. Wir alle sind von dieser Situation betroffen. Wenn die Priester ihre Hände nicht zum Gebet erheben wollen, dann fehlt uns allen der Segen und die Gnade, die aus ihrem Gebet ausströmen sollen. Wenn es uns egal ist, was sie machen, oder ob sie da sind oder nicht, dann verpassen wir auch den besonderen Segen, der aus ihrem priesterlichen Dienst ausströmen soll. Die Fragen, die jeder von uns sich stellen soll, sind also: Für wen halte ich die Priester? Wer sind sie für mich? Was erwarte ich von ihnen? Was mir hier in Deutschland aufgefallen ist, dass viele Leute nicht nach dem Segen Gottes fragen, der von einem Priester gespendet wird. Die Priester besuchen sie, sie reden und essen mit ihnen, aber oft fragen sie nicht nach seinem Segen. (Diese Nachfrage nach dem Segen des Priesters vermisse ich sehr hier in Deutschland.) Wer sind die Priester für uns eigentlich? Halten wir ihren Dienst für wichtig? Beten wir für sie? Ich bin denjenigen immer dankbar, die für unsere Priester und für priesterliche Berufungen beten. Es bereitet mir auch viel Freude, dass jede Woche einige Gebetsgruppen in unserer Gemeinde solche Fürbitten für uns Priester sprechen. Beten Sie für uns Priester! Fragen Sie uns nach dem Segen Gottes, wenn Sie uns treffen und wenn wir Sie besuchen.



Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Das Gleichnis vom Richter und der Witwe

Lukas 18,1-8

In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:

Justizia hÀlt mit verbundenen Augen in der Hand eine Waage.
Gott richtet gerecht!
Foto: sebra, by Fotolia

In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.

Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?

Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen.

Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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