Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 30. Sonntag im Jahreskreis C

Der Bittruf der Notleidenden. Das Flehen der Armen. Das Schreien der Bedrängten!

Heute, der Weltmissionssonntag, ist ein Tag, der uns nicht nur an die Bitte oder das Flehen oder das Schreien der Notleidenden erinnert, sondern uns auch auffordert, mit ihnen Mitleid zu haben, und ihnen zu helfen. Allein der Gedanke, dass Gott den Bittruf der Notleidenden, das Flehen der Armen, das Schreien der Bedrängten niemals missachtet – wie wir in der heutigen ersten Lesung gehört haben – lässt erkennen, dass auch die Menschen, die den Bedürfnissen ihrer Mitmenschen (besonders der Armen) eine fürsorgliche Aufmerksamkeit schenken, von Gott nicht geringgeschätzt werden. Denn sie sind Gottes Mitarbeiter.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir die Bedürfnisse der anderen nicht beachten oder das Schreien der Notleidenden nicht hören oder überhören, wenn wir – wie der Hl. Paulus in der zweiten Lesung schreibt - unsere Mitmenschen im Stich lassen, wenn sie rufen, bitten und um Hilfe schreien und wir hören ihren bittenden Ruf nicht, wenn wir sie verurteilen und denken, sie seien in Not geraten, weil sie nicht so fleißig wie wir arbeiten wollen, wenn wir, wie der Pharisäer, über den wir im Evangelium gehört haben, sagen: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Wenn es uns besser geht, als den anderen, und wir deswegen denken: „Wir verdienen unseren Wohlstand“, oder: „Die anderen sind selbst schuld daran, dass es ihnen schlecht geht“, in diesen Fällen sind wir nicht die Vertreter und Vertreterinnen Christi in dieser Welt.

Ja, es kann sein, dass wir es uns vielleicht gar nicht vorstellen können, mit was für einer Armut die anderen zu kämpfen haben, weil wir noch nicht in ihrer Welt waren, weil wir noch nicht selbst erfahren haben, unter welchen Problemen sie leiden. Sie wissen, es gibt Menschen, die nicht genug zum Essen haben. Sie kämpfen jeden Tag mit dem Hunger. Es gibt Kinder, die sehr intelligent sind, aber keine Möglichkeit haben zur Schule zu gehen, weil ihren Eltern dazu das Geld fehlt. Sie müssen zunächst etwas zu essen bekommen. Sie haben keine Chance auf eine Ausbildung. Es gibt Menschen, die kein Trinkwasser haben. Sie müssten nach Wasser bohren, aber haben dafür nicht genügend Geld. Es gibt Menschen, die kein Krankenhaus haben, wohin sie in ihrer Krankheit gehen könnten. Aber, auch wenn sie Krankenhäuser haben, es fehlt ihnen das Geld dafür. Es gibt Menschen, die keinen Strom haben. (Meine erste Überraschung, als ich nach Deutschland gekommen bin, war, zu sehen, dass es möglich ist, den Strom ununterbrochen zur Verfügung zu haben.) Es könnte sein, dass wir denken, es sei selbstverständlich, dass man den Strom ununterbrochen hat. Nein, das ist nicht selbstverständlich. Denn viele Menschen haben dies nicht. Können Sie sich vorstellen, wie notleidend die Situationen dieser Menschen sind?

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir in einer Familie geboren sind, wo unsere grundlegenden menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden, und wir uns keine Sorgen zu machen brauchen um Essen, um Wasser zum Trinken, wo wir unseren Kopf zum Schlaf hinlegen können, um Kleidung; wenn wir desweiteren das Privileg genießen, wie z.B. die Möglichkeit einer guten Ausbildung, oder sogar in einer Umgebung wohnen, wo wir über ununterbrochenen Strom, einen Schulbesuch, eine  Krankenversicherung, usw. verfügen, ist das ein Grund dankbar zu sein. Jesus lehrt uns auch, dass wir den Menschen helfen sollen, die weniger privilegiert sind als wir.

Am Missionssonntag geht es darum, das Licht Christi, das wir bekommen haben, weiterzugeben, damit die Welt dieses Licht ebenfalls erleben kann, damit die Menschen die Dunkelheit überwinden können. Was ich hier „Dunkelheit“ nenne, ist all das, was die Menschen daran hindert, ganzheitlich als das Abbild Gottes zu leben, wie z.B. Armut, Unterentwicklung, Unwissenheit, Bildungslücke, aber auch Unglaube.

Liebe Brüder und Schwestern, was für ein Licht haben wir bekommen? Lasst uns daran denken, dass viele Menschen uns, unsere Hilfe, unser Licht brauchen. Nicht nur Menschen, die in fernen Ländern und Kontinenten leben, sondern auch die Menschen, die uns umgeben. Jeder von uns soll in seinem Herzen darüber nachdenken: Viele Menschen brauchen mich. Sie brauchen mein Licht. Sie brauchen meine Hilfe. Wie kann ich ihnen mit meinem Licht helfen, ihre Dunkelheit zu überwinden? Auch heute, wenn wir die Kollekte zum Weltmissionssonntag halten, ist es eine kleine Gelegenheit, jemandem vielleicht etwas zum Essen oder ein Glas Wasser zum Trinken zu geben. Wir brauchen einander als eine Weltfamilie, als eine Kirche, als Brüder und Schwestern.



Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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