Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Allerheiligen

Allerheiligen: das Fest der Gnade und Liebe Gottes

Die heutige Lesung beginnt mit den Worten: „Brüder! Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat“ (1 Joh 3,1) Wir feiern heute die Heiligkeit unserer Mitmenschen, die das Glück erfahren haben, das aus Gottes Liebe und Gnade strömt. Das heutige Fest ist deswegen ein Fest der Gnade und Liebe Gottes. Immer, wenn ich an die Heiligen denke, erinnere mich an die Frage des Psalmisten: „Wer darf hinaufziehen zum Berg des Herrn, wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?“ Und seine Antwort darauf: „Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht an Nichtiges hängt und keinen trügerischen Eid geschworen hat.“ (Psalm 24,3-4)

Natürlich kann niemand aus eigener Kraft und eigenem Bemühen dazu befähigt werden. Wir alle sind schuldig und können uns selber nicht retten. Aus Liebe hat Gott aber seinen eigenen geliebten Sohn für uns hingegeben. Er nimmt unsere Schuld hinweg und schenkt uns die Gnade zur Seligkeit. Deswegen betont Paulus in der heutigen zweiten Lesung: „Liebe Brüder und Schwestern, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1 Joh 3,2-3).

Aber, dass Jesus alles getan hat, was uns dazu fähig macht, zum Berg Gottes hinaufziehen zu dürfen, bedeutet noch nicht, dass wir nichts dazu zu tun bräuchten. Es braucht noch, dass wir an ihn glauben, seine Liebe und Gnade annehmen und diese Botschaft der Liebe leben und verkünden. Der Glaube an ihn heißt daher nicht, jetzt die Hände in Unschuld zu waschen und sonst nichts mehr tun müssen. An Jesus zu glauben bedeutet, seine Gnade anzunehmen und sich bekräftigen zu lassen, damit wir seine Botschaft, die Botschaft der Liebe, verkünden können. Ich bin ganz berührt von Papst Franziskus‘ Erläuterung dieses Themas in seiner Predigt zum Abschluss der Jugendsynode: „Der Glaube geht durch das Leben. … er besteht darin, die Liebe Gottes zu leben, die unser Leben verändert hat.“ (https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-10/synode-jugend-2018-wortlaut-papstpredigt-abschluss.html) Gemäß der Papstpredigt bedeutet dies also, der Glaube soll sich weder auf lehrmäßige Formulierungen konzentrieren noch sich in Aktivismus ergehen. Er ist eine Frage der Begegnung; Begegnung mit einer Person – Jesus – der unser Herz berührt und uns ermuntert, den anderen seine Liebe weiterzugeben.

Bei dem heutigen Fest geht es deswegen um unsere verstorbenen Schwestern und Brüder im Glauben, ob seliggesprochen oder nicht, ob bekannt oder unbekannt, die in ihrem Leben von Jesus berührt worden sind und die die Frucht dieser Begegnung durch ihr Leben getragen haben. Im heutigen Evangelium spricht Jesus von diesen Früchten, die aus der Seligkeit strömen: Er betont, selig sind sie, die arm sind vor Gott, die Trauernden, die, die keine Gewalt anwenden, die, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, die Barmherzigen, die, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften, die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, usw. (vgl. Mt 5,3-12) Diese Früchte der Seligkeit beziehen sich auf die Liebe zu Gott und die Liebe zu den anderen. Wir feiern heute deswegen die Gnade und Liebe Gottes, mit denen unsere Brüder und Schwestern beschenkt sind - und, die sie verkündet haben. Wir beten auch um die Gnade, diese Botschaft Christi zu leben.

Gebet: Allmächtiger, ewiger Gott, du schenkst uns die Freude, am heutigen Fest die Verdienste deiner Gnade und Liebe in allen deinen Heiligen zu feiern. Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung und stärke uns in deiner Liebe. Amen.



Evangelium vom Allerheiligen im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

√úbersicht