Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 6. Sonntag der Osterzeit A

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten

Liebe Brüder und Schwestern, wir alle haben sicher einmal gesagt oder gedacht, „Ich fühle, dass ich geliebt worden bin.“ Diese Erfahrung oder das Gefühl, geliebt worden zu sein, hat seine Besonderheit. Also, die Besonderheit, die diese Erfahrung oder das Gefühl mit der Liebe identifiziert. Ich will sagen, es gibt normalerweise besondere Erfahrungen, die uns den Beweis geben, dass wir von jemandem geliebt sind. Wenn ich sage, „er liebt mich“ oder „sie liebt mich“, meine ich damit eigentlich, dass ich mit ihm oder mit ihr eine besondere Erfahrung gemacht habe, die mir seine oder ihre Liebe bewiesen hat. Und nun die Frage an Sie: Was meinen Sie, wenn Sie sagen, „er liebt mich“ oder "Sie hat mich lieb“? Was macht seine oder ihre Liebe für Sie aus? Was macht sie so besonders?

Wenn jeder von uns die Möglichkeit hätte, seine Geschichte der Liebe zu erzählen oder darüber zu schreiben, glaube ich sagen zu können, dass sich eine Sache in jeder dieser Geschichten wiederholen würde, und zwar die Wertschätzung, die die Liebe immer beweist. Liebe erkennen wir an der Wertschätzung, die wir bekommen. Liebe ist also immer verbunden mit der Schilderung, wie man von einem anderen geschätzt worden ist; wie ich sage – wie ich immer sage – dass meine Mutter mich sehr liebt. Der Mittelpunkt meiner Erfahrung ihrer Liebe zu mir ist die Tatsache, dass sie mich so geschätzt hat und immer noch schätzt, dass sie bereit war und ist, für mich zu leben, zu leiden und sich auf meine Zukunft zu freuen.

Ich erinnere mich jetzt an eine Erfahrung: ich wurde einmal aus der Schule heimgeschickt, weil mein Vater meine Schulgeld nicht bezahlen konnte. Als ich zuhause war, habe ich lange geweint. Mein Vater wusste nicht, was er tun konnte. Meine Mutter hat dann zwei ihrer eigenen Kleider verkauft und hat dadurch diese Gebühren bezahlt.  Dann durfte ich wieder zur Schule gehen. Diese Erfahrung hat mich sehr tief berührt und geprägt, so dass ich niemals diesen Beweis der Liebe meiner Mutter zu mir vergessen kann. Ja, jede Geschichte der Liebe ist eine Geschichte der Wertschätzung, die wir vom anderen bekommen. Und wenn wir den anderen lieben, bedeutet das einfach, dass wir ihn wertschätzen. Wir zeigen diese Wertschätzung in den Worten, die wir ihm sagen, in unseren Taten für ihn und in unserem Verhalten ihm gegenüber.

Liebe Brüder und Schwestern, heute spricht Jesus vom Kernzeichen, an dem Er unsere Liebe zu Ihm erkennt. Er sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Was bedeutet es für mich, die Gebote Jesu zu halten? Vielleicht bekommen wir dazu einen Hinweis in dem Dialog, der nach der Auferstehung zwischen Ihm und Petrus stattgefunden hat. „Jesus sagte zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!“ (Joh 21,15-19)

Jesus forderte Petrus auf, seine Liebe zu Ihm zu beweisen, indem er seine Lämmer weiden sollte. Ich frage mich schon: Was hätte Jesus mir persönlich gesagt, um meine Liebe zu Ihm zu beweisen? Seine Gebote zu halten, kann in unseren unterschiedlichen Lebenssituationen und Berufungen auch unterschiedlich interpretiert werden. Was bedeutet das für mich heute? Es könnte sein, jemandem seine Fehler zu vergeben. Es könnte für mich heute bedeuten, meiner Partnerin oder meinem Partner oder auch meinen Kindern mehr Wertschätzung zu schenken. Es könnte bedeuten meine Fehler zu erkennen und ehrlich zu bereuen. Es könnte bedeuten immer die Wahrheit zu sagen und die Verantwortung zu übernehmen. Ich höre Ihn jetzt mich fragen: „Ezekiel, liebst du mich? Weide meine Lämmer!" Was hören Sie?



Evangelium vom 6. Sonntag der Osterzeit A im Lesejahr A:

Sendung des Beistands

Joh 14,15-21

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂĽngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der fĂĽr immer bei euch bleiben soll.

Josef sitzt schlafend auf einem Stuhl. Ein Engel steht hinter ihm und zeigt ein eine andere Richtung.
Wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
Joh 14,23

Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

Ich werde euch nicht als Waisen zurĂĽcklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.

An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde BlindenfĂĽhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlieĂź Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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