Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Pfingsten

Der Heilige Geist: Das Zeichen, dass Gottes Liebe zu uns unbefristet ist

Liebe Brüder und Schwestern, wir alle haben Erfahrungen mit der Liebe. Aus unseren Erfahrungen, die wir mit der Liebe gemacht haben, können wir sagen, dass menschliche Liebe nicht unbefristet ist, sondern, dass unsere Fähigkeit zu lieben begrenzt ist. Unsere Beziehungen scheitern oft wegen unserer begrenzten Fähigkeit zu lieben. Ich denke, jeder und jede von uns hat eine oder mehrere Erfahrungen von gescheiterten Beziehungen. Es könnte sein die Beziehung zu den Eltern, zum Ehemann, zur Ehefrau, zu Kindern, zu Geschwistern, zu Schwiegereltern, zum Schwiegersohn oder -tochter, zu Schwager oder Schwägerin, zu Freunden oder Freundinnen, zu Arbeitskollegen oder Arbeitskolleginnen, usw. Wir sehen manchmal, dass eine einst liebevolle Beziehung plötzlich abgebrochen wird, dass ein Sohn, der viel Liebe von seinen Eltern erfahren hat, diese Beziehung abbricht, dass Freunde aufhören, miteinander zu sprechen, dass Eheleute zu der Entscheidung kommen, sich scheiden zu lassen.

All das sind Zeichen, dass unsere Fähigkeit zu lieben begrenzt ist. Der Grund unserer begrenzten Fähigkeit zu lieben, ist, dass wir oft unsere Liebe auf unseren Erwartungen, die wir vom jeweils anderen haben, aufbauen. In unserem Kopf gibt es oft Listen von vielen Erwartungen, die wir auch oft unbewusst gegenseitig haben. Und solange der andere diese Erwartungen erfüllt, lieben wir ihn. Deswegen ist unsere Liebe fast immer an Bedingungen geknüpft, die wir entweder selbst bestimmen oder von der Gesellschaft übernommen haben. Solche Liebe hat keine Beständigkeit. Sie besteht nur solange diese oft unbewusste Erwartungen erfüllt werden. Es ist aber oft der Fall, dass der andere diese Erwartungen gar nicht erfüllen kann, selbst wenn er wollte.

Das Problem ist aber, dass es bei diesen Erwartungen oft nicht um den anderen geht, sondern um uns selbst. Es geht oft um uns. Die Eltern wollen, dass ihre Kinder sich so oder so verhalten und großartige Dinge tun, damit sie (die Eltern) stolz auf ihre großartigen Kinder sein können. Ein Ehemann will, dass seine Frau schön aussieht, damit er stolz auf sie sein kann. Dies sind nur einige Beispiele. Wir kennen diese Situation gut. Oft, wenn es mit dem anderen nicht so geht, wie wir es von ihm erwarten, dann verringert sich unsere Liebe zu ihm. Somit nennt man die menschliche Liebe eine bedingte Liebe. Sie ist grundlegend selbstbezogen, zuerst einmal wegen des Falls des Menschen. Man braucht diese Liebe nur ein bisschen kritischer zu betrachten, um dann bald zu entdecken, wo das Selbst darin auftaucht. Soweit die Geschichte der menschlichen Liebe – die bedingte Liebe. Aber, wenn man eine zusätzliche Meile der Liebe gehen möchte, muss man um eine Kraft bitten, die unsere normalerweise selbstbezogene Liebe erhebt

Liebe Brüder und Schwestern, warum habe ich diese Predigt mit der Geschichte der Liebe begonnen? Wir feiern heute das Fest des Heiligen Geistes, in dem Gottes Liebe für uns Menschen ihren höchsten Punkt erreicht hat. Gott ist Liebe. An den Geschichten der Beziehung Gottes zu uns Menschen, die in der Heiligen Schrift zu lesen sind, erkennen wir die Wahrheit dieses Satzes: „Gott ist Liebe“. Gott, der uns aus Liebe als Menschen erschaffen hat, ist zu uns aus Mitleid gekommen, als wir gefallen waren, damit Er uns die Rettung bringt. In seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, zeigt Er uns, wie wir uns aus unserem gefallenen Zustand erheben können. Deswegen schreibt Johannes: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass Er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Joh 3,16). Der Wille Gottes für uns ist, dass wir ewiges Leben haben. Genau das ist seine Erwartung an uns. Das ist das Ziel seiner Liebe für uns. Er will alles für uns tun, damit wir das Ziel erreichen können.

Es genügt Ihm nicht, dass Er für uns gelitten hat. Er will uns immer noch helfen, auch wenn seine Liebe auf Ablehnung stößt. Er will nicht aufgeben, uns zu lieben, egal, wie wir sind, oder wie wir uns verhalten. In seiner Erwartung geht es Ihm nicht um sich, sondern um uns, dass wir am Ziel unseres menschlichen Lebens anlangen – Ewiges Leben. Deswegen sendet Er uns den Heiligen Geist, den Beistand, der uns immer noch hilft. Im Heiligen Geist sagt Er jeder und jedem von uns: „Ja, ich verstehe, wie schwer es Dir fällt, den Weg des Lebens zu gehen. Deshalb bin ich bei Dir. Ich bin bei Dir, um Dir die Wahrheit zu zeigen, wenn Dich nur noch die Lügen der Welt umgeben, um Dir die wahre Sicht der Dinge zu geben, wenn Du fast keinen Unterschied mehr unter den vielen Dingen und Wegen erkennst, um Dir die Einsicht zu gewähren, wenn  nur noch Verwirrung herrscht, um Dir den Rat und die Kraft zu geben, Deine wahren Aufgaben zu erfüllen, um Dir die Erkenntnis und die Gottesfurcht zu schenken, die Du zur beständigen Beziehung mit mir brauchst.“

Liebe Brüder und Schwestern, diese sieben Gaben des Heiligen Geistes brauchen wir. Und wenn wir uns wirklich nach ihnen sehnen, kommt der Heilige Geist zu uns mit diesen Gaben. Wir brauchen nur demütig zu sein, um uns einzugestehen, dass wir seine Hilfe unbedingt benötigen. Er ist die Kraft, die unsere selbstbezogen Liebe erhebt und unsere Fähigkeit zu lieben vergrößert. Wir dürfen jetzt in der Stille unseres Herzens beten: „Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit Deiner Kraft.“



Evangelium vom Pfingsten im Lesejahr A:

Die Beauftragung der J√ľnger

Joh 20,19-23

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!

Eine weiße Tauba symbolisiert den Heilige Geist, welcher auf uns herab kommt!
Komm heiliger Geist, komm entz√ľnde uns!

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.





Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf√ľhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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